BRIEF_KASTEN
Österreichs Politik geht in die Sommerpause – und man darf ihr ehrlichen Herzens Erholung wünschen. Man merkt es ja täglich: Sie habt es nötig. Politikerinnen und Politiker seien auch Menschen, sagen diese fast entschuldigend von sich selbst, wenn etwas schiefgelaufen ist.
Auch sie bedürfen offenbar dessen, was jeder Mensch zum Leben braucht: Lob. Ein Anerkennen des Guten. Es scheint im politischen Alltag nur in der Form des Eigenlobs überlebt zu haben. Beim anderen etwas gut finden – wann hat man so etwas zuletzt gehört? Soll man wirklich glauben, dass es gar nie vorkommt, dass jemand gelegentlich sogar positiv überrascht von etwas war, das er aus dem politisch gegnerischen Mund gar nicht erwartet hatte?
Als die besten Redner und Rednerinnen missverstehen sich immer noch jene, die das Schlechtreden am besten beherrschen.
Eine Empfehlung an das Parlamentspräsidium: Neben der parlamentarischen Fragestunde, die oft eher zur Anklagestunde gerät, möge im Herbst eine Stunde – ein Tag wäre besser – des Lobens angesetzt werden. Redner und Rednerinnen sollten benennen, was sie bei „den anderen“ gut fänden. Den Sommer über wäre Besinnungszeit. Wem gar nichts einfalle, der/die müsse sich fragen, ob da nicht der Blick für das Gute und die Ehrlichkeit abhanden gekommen seien. Wer nichts und niemanden loben kann, bei dem/der fehlt etwas. Üben hilft.
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