BRIEF_KASTEN
Gemütlich sitze ich auf unserem Balkon und lese ein Buch. Die Sonne scheint, ein leichtes Lüftchen macht die Hitze erträglicher, alles ist gut. Plötzlich stört ein dumpfes „Dong, dong“ meine Konzentration und reißt mich aus meinem Schmöker. Sofort denke ich bei dem Klang an tibetische Mönche, die mittels Gong zum Gebet gerufen werden. „Dong, dong“ macht es wieder. Es kommt von einem der Gärten drei Stockwerke unter mir. Da ich weiß, dass es dort definitiv keinen buddhistischen Tempel gibt, stehe ich auf und suche nach der wahren Ursache. Ich staune nicht schlecht: Die Nachbarin geht tatsächlich mit einer Art Gong in ihrem Garten auf und ab, beugt sich zu jeder einzelnen Blume und jedem Strauch hinab und horcht nach jedem „Dong“ auf – ja, worauf eigentlich? Scheinbar bekommt sie eine Antwort, denn manchmal schickt sie ein zweites oder drittes „Dong“ hinterher. Dann wechselt sie zur nächsten Pflanze und wiederholt das Ganze. Langsam, bedächtig. Ich weiß zwar, dass es Leute gibt, die ihren Blumen vorsingen, um ihr Wachstum anzuregen. Aber Klangschalen-Therapie für Begonie & Co ist mir neu. Ob‘s hilft?
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