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Schardenberg: Fatimakapelle als Antwort

KIRCHE_OÖ

Vor 75 Jahren – am 19. Mai 1951 – wurde die Fatima-
kapelle im Fronwald von Schardenberg geweiht. Für Pfarrgemeinde und Pilger:innen ist sie eine Stätte des Gebets und der Kraft.

Ausgabe: 16/2026
14.04.2026
- Josef Wallner
Die Granitsteine, aus denen die Fatimakapelle erbaut wurde, kommen aus der unmittelbaren Umgebung.
Die Granitsteine, aus denen die Fatimakapelle erbaut wurde, kommen aus der unmittelbaren Umgebung.
© Pfeil

Viele Wallfahrtsorte haben ihren Ursprung in einem Wunder. In Christkindl, Maria Taferl oder Altötting fanden Menschen auf wundersame Weise Heilung von ihren Gebrechen. In Schardenberg ist das anders. Da war die Bedrängnis der katholischen Kirche und der Menschen durch das nationalsozialistische Regime der Auslöser, eine Gedenkstätte zu errichten. Nachdem im Jahr 1939 in der Nacht vor einer Priesterweihe in Schardenberg der gesamte Festschmuck, die Kränze, Fahnenmasten und Schwibbögen verwüstet wurden und wenig später auch noch der Pfarrer mit einem Ortsverbot belegt wurde, gaben die Pfarrangehörigen auf ihre Weise eine Antwort auf die Bedrängnis. Sie standen im Glauben zusammen und zeigten dies, indem sie am 15. August 1944 ein Gelöbnis ablegten: Sie wollten nach dem Ende der Schreckensherrschaft und des Krieges ein kleines, dem Unbefleckten Herzen Mariens und der Rosenkranzkönigin von Fatima geweihtes Heiligtum als Stätte des Dankes, der Sühne und der Bitte bauen. Dort sollte besonders um die Heiligung der Familien und um heilige Priester gebetet werden. Bereits am 13. Mai 1945 wurde im Fronwald, nicht weit vom Ortszentrum entfernt, eine Holzkapelle mit einem Bild der Madonna von Fatima eingeweiht. Immer öfter fanden dorthin Wallfahrten statt. Der Strom der Beter:innen ist seither nicht mehr abgerissen. Am 13. Mai 1947 führte Bischof Josephus Cal. Fließer anlässlich der Pfarrvisitation die Fatimaprozession in den Fronwald an und predigte von einem Granitblock aus vor 5.000 bis 7.000 Pilger:innen. 

 

Mit eigenen Händen erbaut


Die vielen Pilger:innen, die  in immer größerer Zahl kamen, machten den Bau einer größeren Kapelle notwendig. Das Projekt war von Anfang an eine Herzensangelegenheit der gesamten Pfarrbevölkerung Schardenbergs: die Schenkung des Baugrunds, das Graben eines Brunnes, um Wasser für die Baustelle zu haben, die Granitsteine, die Bereitstellung von Sand, Schotter und Holz sowie 1.750 Arbeitstage und 978 Fuhrwerkleistungen – alles wurde ehrenamtlich von den Schardenberger:innen erbracht. Dazu kamen die Geldspenden, die bei Haussammlungen erbeten wurden. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte das Heiligtum am 19. Mai 1951 von Bischof-Koadjutor Franz Zauner eingeweiht werden. Man kann Andrea Dirmhirn, der Sprecherin des Seelsorgeteams von Schardenberg, nur zustimmen, wenn sie sagt: „Die Fatimakapelle gehört zu uns. Pfarrgemeinde und die politische Gemeinde sind in gleicher Weise stolz darauf, dass wir sie haben.“ Das Gebäude aus Granitstein mit einem mächtigen Turm und rund 120 Sitzplätzen wird von den Schardenberger:innen Fatimakapelle genannt, obwohl sie durchaus die Größe einer Kirche hat. Zu den Besonderheiten des Heiligtums gehört die Gnadenstatue „Unserer lieben Frau von Fatima“. Sie wurde von demselben Künstler gefertigt, der auch das Original in Fatima geschaffen hat. Gemeinsam mit rund 1.000 österreichischen Kindern, die 1949 von einem Erholungsaufenthalt aus Portugal zurückkehrten, kam die Gnadenstatue nach Österreich, wo sie einen Monat lang in verschiedenen Linzer Kirchen zur Verehrung aufgestellt wurde, ehe sie in Schardenberg ihren Bestimmungsort fand. Dort thront sie nicht hoch oben am Hochaltar, „sondern herunten am Gnadenaltar ganz nahe beim Volk“, wie im aktuellen Kirchenführer zu lesen ist. Einige Jahre später wurde die Statue mit einer goldenen Krone gekrönt, in die eine Reihe von biblischen und anderen Symbolen eingearbeitet sind – bis hin zu einer Atomwolke, die vom Kreuz überragt wird. 

 

Das Bild links (auf Seite 6) zeigt den Hauptaltar im Inneren der Fatimakapelle.
Eine große Pilgerschar feiert den Gottesdienst am Freialtar mit, der dort an jedem 13. des Monats von Mai bis Oktober gefeiert wird.
Prozession von der Pfarrkirche Schardenberg zur Fatima­kapelle in den Fronwald. Der Weg ist eine passende Einstimmung auf die Pilgermesse.
Die mit Blumen geschmückte, gekrönte Gnadenstatue.
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Fatimatage als Zentrum


Für die Tradition der Wallfahrtstage in der Spiritualität von Fatima – von Mai bis Oktober jeweils am 12. (abends) und am 13. des Monats – ist Schardenberg weithin bekannt. Die Fatimatage, zu denen auswärtige Prediger eingeladen sind, ziehen oft bis zu 600 Mitfeiernde an. Die Organisation der beiden Wallfahrtstage das halbe Jahr hindurch mit Lichter- und Rosenkranzprozession, Beichtgelegenheit, musikalischer Gestaltung und vielen Aufgaben mehr verlangt viele helfende Hände. „Der 13. ist gut eingespielt“, sagt Andrea Dirmhirn. 

Ein Stück Identität
Dazu kommen aber noch Taufen und Hochzeiten, Wallfahrten von Pfarren, auch aus Bayern natürlich, Pilger:innen zu Fuß – der Einsatz, den die „Kapelle“ braucht, ist zweifelsohne eine Herausforderung für die 2.200 Katholik:innen zählende Pfarrgemeinde Schardenberg. „Aber der Einsatz lohnt sich auf jeden Fall“, betont Dirmhirn, selbst eine gebürtige Schardenbergerin: „Denn wann immer man die Fatimakapelle besucht, egal ob am Wochenende oder während der Woche, man ist nicht allein: Man trifft Wallfahrer:innen, Motorradfahrer:innen, Familien oder einzelne Personen, die Ruhe und Stille suchen oder bei der Muttergottes Hilfe erbitten. Die Fatimakapelle ist ein ganz besonderer Kraftplatz für alle Menschen. Alle sind willkommen. Oft sind es einfach auch Leute, die nur die Ruhe des Waldes genießen und die steinerne Kirche anschauen wollen.“ Das 75-Jahr-Jubiläum ist für die Pfarrgemeinde nicht nur Anlass, zurück, sondern auch nach vorne zu schauen. „Unser Anliegen ist es, die Fatimakapelle und das gesamte Areal für die Zukunft fit zu halten“, sagt die Sprecherin des Seelsorgeteams und betont, dass die Pfarrgemeinde alles tun werde, damit „die Menschen so wie bisher auch in den kommenden Jahren hier Kraft, Stille, Andacht und einen Ort zum Gebet finden. So wie sie es für sich wollen und brauchen.“ Die Pfarrgemeinde Schardenberg sei zu Recht auf ihr Heiligtum stolz, betont Andrea Dirmhirn: „Es ist ein Stück unserer Identität.“     
 

 

Die Pfarrgemeinde wird am 3. Mai um 19:30 das Gelöbnis von 1944 erneuern. 

 

Die Wallfahrtssaison 2026 wird Bischof Manfred Scheuer am 13. Mai eröffnen. Die Eckpunkte des Ablaufs: 8:30 Uhr Rosenkranzprozession von der Pfarrkirche zur Fatimakapelle, wo um 9 Uhr die Pilgermesse mit Predigt gefeiert wird; um ca. 10:15 Uhr Krankenmesse mit Krankensalbung; anschließend Anbetung; 12 Uhr Marienandacht. Am 12. Mai abends steht Francis Abanobi der Feier vor.

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