BRIEF_KASTEN
Als einen Meilenstein bezeichnet Bischof Manfred Scheuer Franz Jägerstätters Seligsprechung vor 15 Jahren.
Er hat damit sicher recht. Eine offene Wunde bleibt die Nicht-Seligsprechung von Franziska Jägerstätter. Diese trug die todbringende Entscheidung ihres Mannes mit und erlebte in den Jahrzehnten danach nicht nur die Einsamkeit als Alleinerzieherin, sondern auch das Unverständnis der Umgebung.
Dass die meisten heiliggesprochenen Heiligen Männer sind, benennt Doris Reisinger in der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Es erinnert an eine Kraft, die Männern auch im Diesseits zu Ehren verhelfen kann: Beziehungen.
Wer keine Fürsprecher hinter sich hat, bekommt keinen Selig- oder gar Heiligsprechungsprozess. Es ist ein blinder Fleck der Weltkirche. „Alte, weiße Männer“ können zwar auch Heilige sein, aber eben nicht fast ausschließlich.
Was wäre es für ein Meilenstein, wenn der Heiligenkalender vielfältiger würde! (Reisinger vermisst etwa die afrikanische Mutter, den asiatischen Vater, die lateinamerikanische Ärztin oder den australischen Arbeiter.) Es hätte sicher maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der kirchlichen Gedenkkultur, um noch einmal ein wichtiges Wort von Bischof Scheuer zu zitieren.
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