BRIEF_KASTEN
Die freie Marktwirtschaft gilt mitunter als „heilige Kuh“, an der keine Kritik geübt werden darf. Das ist schade, denn Kritik ist zur Verbesserung unumgänglich. Auch die Marktwirtschaft ist nicht perfekt und bedarf der Kritik und Überprüfung.
Das betrifft vor allem die Frage, was am Markt gehandelt werden soll und was nicht. Die Trinkwasserversorgung ist zu Recht dem Markt entzogen, weil es um eine Daseinsvorsorge geht. Da aber auch das Heizen und das Kochen zu den Grundbedürfnissen zählen, ist die Idee eines Strompreisdeckels durchaus angebracht.
Bei Gas und Öl wird das schwierig, weil Österreich hier auf Importe angewiesen ist. Bei der Stromerzeugung kann die Markt-Komponente aber wegen der hohen Eigenleistung reduziert werden. Es ist zudem moralisch vertretbar, Krisengewinne von Energieunternehmen staatlich abzuschöpfen, die im wirtschaftlichen Notfall ohnehin wieder vom Staat aufgefangen werden, weil sie systemrelevant sind. All das ist keine Absage an die Marktwirtschaft, sondern nur der Verweis auf ihren dienenden Platz in der Gesellschaft.
Was die Wirtschaft sicher nicht kann, trat heuer auch traurig zu Tage: Die Idee, durch Wirtschaftsbeziehungen Diktaturen zu mildern oder Frieden zu sichern („Wandel durch Handel“), hat sich durch den russischen Angriff auf die Ukraine als falsch erwiesen. Wirtschaft ersetzt Politik nicht.
Heinz Niederleitner, Chefredakteur
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