BRIEF_KASTEN
Aktuell geht es um die Öffnung in Tourismuszonen in Wien. Argumentiert wird bei fast jeder dieser Auseinandersetzungen damit, dass ohnehin eine nicht geringe Anzahl von Menschen bereits jetzt am Sonntag arbeitet, auch weil viele Dienste schlicht notwendig sind. Deshalb, so das unausgesprochene Argument, sei es nicht sehr redlich, weiter den Schein weitreichender Sonntagsruhe aufrechtzuerhalten.
Bei genauerer Betrachtung ist das aber kein akzeptables Argument. Denn laut Statistik Austria arbeiten rund 608.000 Menschen in Österreich regelmäßig am Sonntag, also rund 13,5 Prozent aller Erwerbstätigen. Das ist angesichts des Ideals des freien Sonntags nicht wenig. Es reicht aber keinesfalls aus, ihn grundsätzlich in Frage zu stellen.
Dazu kommt, dass es ein geradezu fatales Signal wäre, angesichts des tiefgreifenden Wandels von Bindungen in unserer Gesellschaft die Chance auf gemeinsame freie Zeit zu reduzieren – sei es in Familien, im Freundeskreis oder im Ehrenamt. Denn diese Chance ist ein wesentliches Merkmal des freien Sonntags.
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