BRIEF_KASTEN
Integrationsministerin Claudia Bauer möchte eine stärkere staatliche Kontrolle des konfessionellen Religionsunterrichts (Seite 11). Hauptsächlich gemeint ist der islamische Unterricht. Aber aufgrund der gebotenen Gleichbehandlung würden Änderungen alle Konfessionen betreffen, die an öffentlichen Schulen Religionsunterricht anbieten.
Das Thema ist heikel und verdient einen vorsichtigen Umgang. Denn es betrifft einen Kernbereich des Staat-Kirche-Verhältnisses. Richtig ist, dass der Staat keinen Religionsunterricht will, der nicht Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz, Gleichberechtigung usw. hochhält. Zu diesen Institutionen und Werten gehört aber auch die Religionsfreiheit. Sie erfordert, dass der Staat keine überschießenden Eingriffe in den religiösen Bereich vornimmt. Es kommt also sehr darauf an, was es genau bedeutet, wenn man mehr Kontrolle über den Religionsunterricht fordert. Überlegenswert wäre daher, ob Veränderungen nicht auch eine Nummer kleiner möglich sind: Wenn sich Staat und Religionsgemeinschaften um größtmögliche gegenseitige Transparenz und Kooperation bemühen, kann vielleicht mangelndes Vertrauen (wieder-)hergestellt werden.
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