BRIEF_KASTEN
Im vergangenen Sommer habe ich oft mit Leuten darüber geredet, warum „schönes Wetter“ auch einmal schlecht sein kann und ich gerade Regenwolken besser fände. Manchmal werde ich zornig, wenn ich die Wetterberichte im Radio höre, weil sich die Moderator:innen unaufhörlich über die Sonne freuen.
Und dann wundere ich mich darüber, warum für so viele Leute Ernteausfälle anscheinend nichts mit ihnen zu tun haben. Wenn jemand sagt, dass nur noch zwei Prozent der Erwerbstätigen von der Landwirtschaft leben, werfe ich gern ein, dass das nicht stimmt, weil ja alle anderen auch etwas zu essen brauchen.
Zwei Mitglieder unseres Gemeinschaftsgartens haben mir schockiert die Ausbeute ihres ersten Grabens am „Krautland“ gezeigt: Kleine und kleinste Erdäpfel, manche weich wie im Frühjahr vor dem Keimen. Das wird heuer nichts mit dem befriedigenden Gefühl, dass wir bei vollem Erdäpfellager satt über den Winter kommen.
Während für manche Leute Ernteeinbußen ausschließlich bedeuten, dass „höhere Preise“ bei Lebensmitteln zu erwarten sind, und sie überlegen, wer sich damit bereichern könnte, erleben wir am Gemeinschafts-Gemüsefeld, dass auch noch so viel Geld nicht mehr Lebensmittel wachsen lässt. Wir werden mit dem zufrieden sein müssen, was das Feld heuer hergibt, und lernen jedes Jahr dazu mit den Herausforderungen, die es uns bringt.
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