BRIEF_KASTEN
Zwischen Morgen und Abend einfach gehen können, wohin sie will? Ein Traum! Sich spätabends noch schnell die Füße vertreten? Auch das nicht. Ihre Beine tragen nicht. Seit Jahrzehnten schon lebt A. mit den Grenzen, die eine Krankheit ihr setzt. Nur mit Unterstützung kann sie die Wohnung verlassen. Ihre Einschränkungen gelten nicht bloß auf Zeit. Im Gegenteil. Jahr für Jahr werden ihre Möglichkeiten geringer. Das wird nicht einfach wieder gut.
Leute, die A. kennen, sagen, sie wäre ein fröhlicher Mensch – eine, die man gerne trifft. Sie beklagt die großen Einschränkungen ihres Lebens nicht, sie lebt vielmehr aus dem ihr Möglichen. So sind ihre Stunden nicht voll vom Jammer oder Protest gegen ihr Schicksal. Jede kleine Ritze, durch die Freude schimmert, entdeckt sie: Bücher, Gespräche, die es mühsam zu organisieren gilt. Sie glaubt an Gott. Ihre Grenzen spürt A. stündlich und überall. Den Raum dazwischen – den will sie leben. Wen auch sollte A. verantwortlich machen? Eine Regierung? Ihre Gene? Gott? Und gelten die Freiheits-Grundrechte nicht auch für sie? Aber würde sie ständig gegen ihr Schicksal anrennen – rennen? – sie selbst wäre es, die sich daran blutig stieße. Rund eine Million Menschen in Österreich leben mit Bewegungseinschränkungen, darunter rund 50.000 mit Rollstuhl. A. ist eine von diesen.
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