BRIEF_KASTEN
Wer ständig über andere schimpft, wird seines Lebens nicht froh. Ein gutes Wort berührt auch das eigene Herz.
Die Briefromane aus dem 19. Jahrhundert sind eine schmalzige Angelegenheit. Junge Männer und Frauen schreiben einander in kunstvollen Sätzen über ihre Gefühle. Je seltener sie sich sehen, desto glühender werden die Briefe. Mit Worten halten sie die Liebe im anderen und in sich selbst am Brennen. Ob sie auch nach der Hochzeit hält, wird leider immer verschwiegen. Aber eines habe ich mir von meiner jugendlichen Lektüre mitgenommen: Die Zuneigung zu einem anderen Menschen kann durch Worte verstärkt werden. Als Kind schwärmte ich mit einem noch kleinen Wortschatz für meine „Kindergartentante“ Schwester Pia, später für den Priesterkandidaten, der so flammend predigen konnte. Dann kam die beste Freundin. Über sie will ich bis heute nur Gutes denken. Und dann tauchte ein Mann auf, den ich mir im stillen Kämmerlein in den leuchtendsten Farben malte. Wir haben geheiratet. Eines ist sicher: Die Ehe ist kein Briefroman. Aber manchmal gelingt es doch, dass das innere Wörterbuch ganz schön schmalzig klingt.
BRIEF_KASTEN
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