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OÖ. Umweltlandesrat Stefan Kaineder über den Hallstätter Gletscher als Fieberthermometer der Klimakrise und Naturdenkmal

„Wir müssen ins Tun kommen“

Gesellschaft & Soziales

Jedes Jahr werden die Gletscher am Dachstein kleiner und kleiner. Für den OÖ. Umweltlandesrat Stefan Kaineder ein unübersehbares Zeichen für den Klimawandel und ein Weckruf, mit aller Kraft die Klimakrise zu bekämpfen.

Ausgabe: 32/2020
04.08.2020
- Josef Wallner
Umwelt- landesrat  Stefan Kaineder und Umweltministerin Leonore Gewessler am Hallstätter Gletscher.
Umwelt- landesrat Stefan Kaineder und Umweltministerin Leonore Gewessler am Hallstätter Gletscher.
© Werner Dedl, Berufsfotograf

Mitten im Sommer mit der Seilbahn auf die Gletscher am Dachstein zu fahren, ist ein Erlebnis. Während im Tal die Freibäder voll sind, steht man auf Eis- und Schneefeldern, sobald man die Gondel verlässt. Doch die Idylle trügt. Seit vierzig Jahren gehen die Gletscher am Dachstein permanent zurück, erklärt der Meteorologe Klaus Reingruber vom Institut Blue Sky Wetteranalysen. Das Land OÖ hat 2006 das Institut beauftragt den Hallstätter Gletscher – den oberösterreichischen Anteil der Dachsteiner Gletscherlandschaft – zu erforschen und regelmäßig zu vermessen.

 

Abnahme ohne Ende

„Heuer beginnt in der ersten Augustwoche der Übergang zu einer negativen Bilanz“, erläutert Reingruber dem Landesrat, Umweltministerin Leonore Gewessler und den Journalisten, die um ihn stehen und von einem Felsrücken aus auf den Gletscher blicken. Der Hallstätter Gletscher hat in den vergangenen zwölf Jahren 28 Prozent seiner Masse verloren, ergänzt Kay Helfricht von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Durchschnittlich elf Meter werden die Dachsteingletscher jährlich kürzer. Die Veränderungen am Gletscher sind für die Wissenschafter Reingruber und Helfricht Symbol und Indikator für den Klimawandel.  

 

Vom Klimawandel zur Klimakrise

Das steht auch für Umweltlandesrat Kaineder außer Frage: Der Klimawandel sei schon längst zur Klimakrise für Mensch und Tier geworden. Hier am Gletscher werde besonders auch die Rasanz dieser Krise deutlich. „Jetzt heißt es, endlich ins Tun zu kommen.“ Der Einbruch in Konjunktur und Wirtschaft, den die Corona-Pandemie ausgelöst hat, wird aus Kaineders Sicht den Kampf gegen den Klimawandel nicht bremsen. Er möchte in einem einzigen Kraftakt beiden Krisen den Kampf ansagen. Die finanziellen Impulse der öffentlichen Hand, die aktuell notwendig sind, sollen in Projekte gehen, die gleichzeitig Maßnahmen zum Klimaschutz sind. „Wenn uns das gelingt, haben wir die Chance, die in jeder Krise – auch in der Corona-Pandemie – steckt, wirklich genützt“, hofft Kaineder. Für ihn ist dieser Weg in Oberösterreich noch nicht Konsens. „Diese Zielrichtung fehlt mir bei den Investitionen im Land.“

 

Papst Franziskus gibt Orientierung

Ein Vorbild im Einsatz für die Umwelt ist für Landesrat Kaineder Papst Franziskus. Als 2015 die päpstliche Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ erschien, war Kaineder noch für das Welthaus, der entwicklungspolitischen Fachstelle der Diözese Linz, tätig und hat sich intensiv mit dem Schreiben von Papst Franziskus beschäftigt. Ihn beeindruckt, wie der Papst darin ökologische und soziale Aspekte verbindet. „Papst Franziskus ist der Botschafter der ökosozialen Wende, wir müssen sie politisch hinkriegen.“

 

Der Gletscher als Naturdenkmal

Der Hallstätter Gletscher ist aber nicht nur das Fieberthermometer, das anzeigt, wie sehr unser Planet schon an erhöhter Temperatur leidet, sondern er hat auch einen eigenen Wert, macht Kaineder aufmerksam. „Der Gletscher ist ein Naturdenkmal unseres Landes und steht auch mit der Stromerzeugung der sechzehn Kraftwerke an der Traun in Beziehung“, präzisiert Werner Steinecker. Der Generaldirektor der Energie AG unterstreicht, dass die Nachhaltigkeit in der Energieproduktion für die Energie AG ein besonderes Anliegen sei. Das Unternehmen unterstützt darum von Anfang an das wissenschaftliche Forschungsprojekt „Untersuchung von Klima und Massenhaushalt der Dachsteingletscher“.

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