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Tausende Menschen bei Gedenkfeiern

Gesellschaft & Soziales

An mehreren Schauplätzen in Oberösterreich fanden Feiern im Gedenken an die Opfer des NS-Regimes statt. In Mauthausen erinnerten sich Tausende Besucher, Spitzenpolitiker und Überlebende an die Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers.

Ausgabe: 2018/19
08.05.2018
- Paul Stütz
© Reuters/Lisi Niesner

Menschen aus aller Welt haben am Sonntag in Mauthausen der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers vor 73 Jahren gedacht. Mit den rund 10.000 Gästen, darunter auch Überlebende, besuchten heuer unter Beisein der politischen Prominenz bedeutend mehr Menschen das Gedenken als in den vergangenen Jahren.
Nicht mit dabei waren Vertreter der FPÖ, die auf ausdrücklichen Wunsch der Veranstalter nicht eingeladen waren. Dies geht auf einen Beschluss der Überlebenden aus den 1960er-Jahren zurück.

 

Flucht und Heimat

Rund 100 Delegationen und Opferverbände waren bei der Befreiungsfeier zu Gast. Insgesamt waren in Mauthausen in den Jahren 1938 bis 1945 200.000 Menschen interniert, 90.000 davon starben. Das jährlich wechselnde Motto lautete heuer im Gedenkjahr des Anschlusses „Flucht und Heimat“ und spannte damit auch die Brücke in die Gegenwart. Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, erinnerte an die Flüchtlingsströme des Jahres 2015, an Menschen, die Freunde, Familie, Sprache, Kultur, „das, was wir als den beliebten Begriff Heimat definieren“, verloren hätten. Er appellierte an die Teilnehmer, sich ein Beispiel an jenen zu nehmen, die unter schwersten Bedingungen, unter Todesgefahr, im Nationalsozialismus anderen geholfen hätten.


Versöhnung in Ebensee

Dass die NS-Verbrechen neben Mauthausen noch viele andere grausame Schauplätze hatten, wird bei den Gedenkveranstaltungen im Mai ebenfalls deutlich. Etwa in Ebensee, wo sich eine Rüstungsproduktion als Nebenlager von Mauthausen befand. 8745 Gefangene starben hier. Viele Opfer stammten aus Italien. Nach einem Streik in der 200.000-Einwohner-Stadt Prato in der Toskana gegen das NS-Regime im März 1944 wurden Arbeiter wahllos festgenommen. 900 Prateser wurden ins Lager Ebensee gebracht, um Zwangsarbeit zu leisten. Nur rund 400 von ihnen überlebten. Einer von ihnen, Roberto Castellani, regte Jahrzehnte später eine Städtepartnerschaft zwischen Prato und Ebensee an. Das Motto: „Versöhnung statt Vergeltung, Frieden statt Rache“. Am 6. Mai wurde das 30-Jahr-Jubiläum dieser Partnerschaft gefeiert, unter anderem mit einer Friedensmesse in der Pfarrkirche Ebensee.

 

„Fremdvölkisches Kinderheim“

Noch weniger bekannt als Mauthausen und Ebensee sind die schrecklichen Geschehnisse in Spital am Pyhrn, wo die Nazis ein sogenanntes „Fremdvölkisches Kinderheim“ führten. In diesem wurden beinahe 100 Kinder von meist polnischen Zwangsarbeiterinnen untergebracht. Mehr als ein Drittel von ihnen starb. Um ihrer zu gedenken, kamen am 4. Mai Menschen aus Kirche und Politik, darunter der polnische Botschafter, in der Spitaler Kirche St. Leonhard zusammen.
Bereits am 25. April fand das Gedenken der Plattform „Wider das Vergessen“ bei der Kremsbrücke in Ansfelden statt, das an die Ermordeten der Todesmärsche von Mauthausen nach Gunskirchen im April 1945 erinnerte. Schwarze Bänder wurden als Zeichen der Betroffenheit über die zunehmende Unmenschlichkeit großer gesellschaftlicher Teile bei der Brücke angebunden. Sie sollen „anregen, an einer Welt freier, gleichwertiger und gleichwürdiger Menschen zu bauen, wo einer dem anderen Nächster ist“, so die Plattform „Wider das Vergessen“.

Schwarze Bänder stellen in Ansfelden Bezug zur Gegenwart her mit der Kritik an der „zunehmenden Unmenschlichkeit“.
Schwarze Bänder stellen in Ansfelden Bezug zur Gegenwart her mit der Kritik an der „zunehmenden Unmenschlichkeit“.
© Kraftschik
Ebensee: Friedensmesse als Ausdruck der Versöhnung.
Ebensee: Friedensmesse als Ausdruck der Versöhnung.
© Hörmandinger
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