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Sr. Verena Maria Haselmann SDS: „Kein Selbstläufer“

KIRCHE_OÖ

Zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen erzählt Sr. Verena Maria Haselmann von ihrem Weg zu den Salvatorianerinnen und wie sie als Ordensfrau lebt. 

Ausgabe: 17/2026
21.04.2026
- Josef Wallner
Sr. Verena Maria Haselmann SDS im Meditationsraum ihrer Kommunität am Froschberg in Linz.
Sr. Verena Maria Haselmann SDS im Meditationsraum ihrer Kommunität am Froschberg in Linz.
© KIZ/JW

Wie haben Sie die Ordensgemeinschaft der Salvatorianerinnen entdeckt?


Sr. Verena Maria Haselmann: Durch einen Artikel in der Kirchenzeitung – in der St. Pöltner Kirchenzeitung. Da hat mich die mir damals noch unbekannte Salvatorianerin Melanie Wolfers auf IMpulsLEBEN, ein spirituelles Angebot für junge Erwachsene, hingewiesen. Da war ich gerade in einer Phase mit großen Lebensfragen und habe mich für eine geistliche Begleitung gemeldet. Dann nahm ich an einer von IMpulsLEBEN ausgeschriebenen Pilgerwoche nach Assisi teil. Ich habe dabei eine große Lebendigkeit gespürt und die herzliche Atmosphäre hat mich beeindruckt.

 

Sie lebten zu dieser Zeit zu Hause in Gföhl in der Nähe von Krems.


Sr. Verena Maria: Ja, am Bauernhof meiner Eltern. Ich habe drei Brüder. Ich war in der Pfarre als Ministrantenleiterin und Pfarrgemeinderätin engagiert. Als Angestellte im Marketing bei der AMA war ich unter anderem bei dem Verein „Kulinarisches Erbe Österreich“ angestellt. Dann arbeitete ich im Jugendgästehaus des Stiftes Göttweig. Ich lebte in einer Partnerschaft und übernahm Verantwortung auf unserem Hof. 2017 bin ich nach Emmaus-Qubeibeh bei Jerusalem gegangen, um als Volontärin für zwei Jahre in dem Altenheim für palästinensische Frauen mitzuhelfen, das Sr. Hildegard Enzenhofer, eine Salvatorianerin, geleitet hat. Vom Waldviertel nach Palästina – das war ein sehr großer Schritt.

 

Wie kamen Sie dann zu dem Entschluss, in die Ordensgemeinschaft der Salvatorianerinnen einzutreten?


Sr. Verena Maria: Ich war 27 Jahre alt und auf der Suche nach dem vollen Leben. Meine Zeit in Emmaus und die Art, wie die Salvatorianerinnen ihren Glauben lebten, haben mich beeindruckt. Ich habe mir gedacht, wenn ich den Schritt zu den Salvatorianerinnen jetzt nicht probiere, dann weiß ich es nie, ob das auch was für mich wäre. Es war kein Blitz vom Himmel, sondern eine gut abgewogene Entscheidung, zu der auch Exerzitien am See Gennesaret viel beigetragen haben.


Und jetzt wissen Sie es …


Sr. Verena Maria: Das Lebenskonzept als Salvatorianerin ist für mich stimmig und wurde für mich immer mehr zu einem Weg, der mich in die Freiheit führt.  

 

Was sind jetzt konkret Ihre Aufgaben?


Sr. Verena Maria: Ich bin bei der Diözese Linz als Jugendbeauftragte für die Pfarre TraunerLand angestellt. Als Salvatorianerin arbeite ich im Team von IMpulsLEBEN mit, begleite Kurse in der Zukunftswerkstatt der Jesuiten in Innsbruck und engagiere mich in der Berufungspastoral der Diözese Linz. Und schließlich bieten wir als Gemeinschaft auf dem Froschberg für Interessentinnen oder junge Erwachsene auch die Möglichkeit, stille Tage zu machen oder ins Ordensleben hineinzuschnuppern.

 

An Arbeit mangelt es nicht …


Sr. Verena Maria: Nein, aber das macht das Ordensleben möglich. Ich bin mir auch bewusst, dass ich ein privilegiertes Leben führe: Ich habe Zeit für das Gebet und die Stille, für jährliche Exerzitien, und eine Gemeinschaft, auf die ich mich verlassen kann. 

 

Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Gelübde der Armut, das Sie als Ordensfrau abgelegt haben?


Sr. Verena Maria: Wir praktizieren die Gütergemeinschaft: Unsere Gehälter kommen auf ein gemeinsames Konto, wir teilen das Auto – Carsharing, das Auto teilen, ist übriges auch außerhalb von Ordensgemeinschaften modern. Wir geben uns über unseren Lebensstil Rechenschaft, aber das empfinde ich nicht als Einschränkung, sondern die Gütergemeinschaft gibt Freiheit, weil ich mich nicht um alles allein kümmern muss. 

 

Sie haben bei der Profess auch die Ehelosigkeit versprochen.


Sr. Verena Maria: Natürlich spüre ich manchmal, dass ich gerne eine Familie haben möchte. Aber ich habe mich für etwas anderes entschieden. Ich habe keine Partnerschaft und keine Kinder, doch das gibt mir Zeit für das Gebet, die Gemeinschaft und den Einsatz für andere. Ich bin aber sehr gerne im Kontakt mit meiner Familie im Waldviertel. Das bedeutet mir viel, gibt Bodenhaftung und schützt vor Idealisierung.

 

Neben Armut und Ehelosigkeit gehört zum Ordensleben auch noch der Gehorsam. Ist das ein schwieriges Gelübde? 


Sr. Verena Maria: Der Gehorsam besteht für mich vor allem darin, im Gebet auf Gott zu hören. Und ebenso, dass meine Gemeinschaft zu mir ehrlich ist und dass ich mich damit auseinandersetze. 

 

Das ist ein interessantes Konzept von Gehorsam. 


Sr. Verena Maria: Ja, bei uns Salvatorianerinnen braucht man schon ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein. Natürlich gehört das Aufeinanderhören zum Gehorsam und dass die Gemeinschaft mich auch ermutigt, Aufgaben anzunehmen, auf die ich selbst vielleicht nicht gekommen wäre. Manchmal sehen die Mitschwestern ja auch mehr in einem, als man sich selbst vorstellen kann. Das habe ich immer wieder erfahren dürfen. Sei es im Noviziat, wo ich in einem Kindergarten mitarbeiten sollte, was ich mir nie gewünscht hätte, oder bei anderen Aufgaben, wo mir etwas im besten Sinne zugemutet wird. 

 

Was macht Ihr Leben als Ordensfrau aus?


Sr. Verena Maria: Das Wesentliche sind die Gebetszeiten. Gemeinsam in die Ausrichtung auf Jesus zu kommen, ist kein Selbstläufer, sondern muss immer wieder neu eingeübt werden. Aber ich merke: Wenn ich gut im Kontakt mit Gott bin, kann ich Menschen bestärken, dass auch sie zu einem erfüllten Leben finden und ihr inneres Licht zum Leuchten kommt. Das macht, kurz gesagt, unser Ordensleben aus: Hände falten und Ärmel aufstricken – und manchmal auch die Füße hochlegen. Das heißt im Engagement auch das rechte Maß bewahren.  

 

Stoßen Sie mit Ihrer Lebensform auch auf Unverständnis?


Eher in kirchlichen Kreisen, in der säkularen Welt wird es oft als interessantes Lebenskonzept empfunden, das viele gar nicht mehr kennen.   

 

 

 

Geistliche Berufungen 


Zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen lädt die Diözesane Berufungspastoral am 24. April um 18 Uhr zu einem Taizégebet in die Kirche der Elisabethinen Linz.

Info: www.dioezese-linz.at/berufungspastoral

 

Das Stift Kremsmünster veranstaltet am 24. April eine Gebetswanderung:   Vesper in der Kirche Heiligenleithen (18 Uhr), Abmarsch nach Pettenbach (18:30), ca. 19:15 Messe mit Gebet um geistliche Berufungen in der Pfarrkirche Pettenbach.


www.stift-kremsmuenster.at

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