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Wir befinden uns in einem kleinen Dorf in Joyabaj, im Hochland Guatemalas: Eine Mutter steht in der Küche und kocht. Der Raum ist klein und fensterlos, die Wände dunkel. Rauch kommt von einer offenen Feuerstelle am Boden. Es gibt keine Öffnung, durch die der Rauch abziehen könnte. Der dringt dafür in die Nase, brennt in den Augen und lässt die Mutter immer wieder husten. In gebückter Haltung bereitet sie so dreimal am Tag das Essen für ihre Familie zu. Die Kinder sind meist bei ihr.
Um diese Situation in mehrfacher Hinsicht zu verbessern, lässt „Sei So Frei“, die entwicklungspolitische Organisation der Katholischen Männerbewegung in Oberösterreich (KMB OÖ), unter anderem in dem zentralamerikanischen Staat gemauerte Holzsparöfen bauen. In Joyabaj, einer Gemeinde mit einem Gebiet von ungefähr 300 Quadratkilometern, startete das Projekt bereits im Jahr 2013.
„In der Bezirkshauptstadt Joyabaj leben etwa 10.000 Einwohner“, erklärt Martin Berndorfer von „Sei So Frei“. In bzw. zwischen den Städten gibt es zwar asphaltierte, befestigte Straßen, doch in den hoch gelegenen Dörfern im Umkreis von Joyabaj, in denen sich „Sei So Frei“ engagiert, finden sich eher Stein- und Schotterwege, die Straßen sind oft steil und kurvig. Die meisten Einwohner haben kein Auto, der öffentliche Verkehr ist eingeschränkt und Transportdienste kosten. „Das macht die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für die Menschen schwierig“, sagt Berndorfer.
Zurück zu unserer Küche: Um den Topf auf der offenen Feuerstelle zum Kochen zu bringen, braucht es sehr viel Brennholz. „Das Brennholz muss zugekauft werden, was eine finanzielle Belastung für die Familien von fast 200 Euro im Monat bedeutet“, sagt Berndorfer. „Mit dem Holzsparofen kommen sie mit einem Drittel des Holzes aus.“ Um einen solchen zu bekommen, stellt das Dorfkomitee bei „Adico“, der guatemaltekischen Partnerorganisation von „Sei So Frei“, einen Antrag. Wird das Projekt umgesetzt, zahlt die Gemeinde einen Teil der Kosten jedes Ofens dazu. Auch die begünstigten Familien leisten einen Beitrag – mit Grundmaterial, Minimalwerkzeug sowie der Verpflegung der Ofensetzer.
Ist der Ofen fertig, muss er noch 40 Tage austrocknen, bevor er das erste Mal eingeheizt werden darf. „Das können die Frauen meist kaum erwarten, doch wenn es so weit ist, sind Rauch, Ruß und gesundheitliche Probleme mit einem Schlag Geschichte“, sagt Martin Berndorfer. Durch die installierte Ofenröhre, die aus dem Dach herausragt, kann der Rauch nun abziehen, so kann sich auch nichts mehr in den Wänden absetzen. „Was sich auch verbessert, ist die Kochposition, weil der Ofen auf ergonomische Höhe angepasst ist. So müssen sich die Frauen nicht mehr fünf Stunden am Tag hinunterbücken oder gar knien, um Tortillas zu machen“, sagt Berndorfer.
Auch für die Kinder ist der gemauerte Ofen sicherer, da sie nicht mehr stolpern und ins offene Feuer fallen können. Weil der Ofen genug Fläche hat, um auch als Tisch verwendet zu werden, kommen keine Tiere mehr an die Teller heran, um ungesehen daraus zu fressen. „Oft machen die Kinder auch ihre Hausübungen am Ofen“, sagt Berndorfer. Wenn es frisch wird, bietet der Ofen wohlige Wärme. „Es gibt also ganz verschiedene Aspekte, wie dieser die Lebensqualität und das Familienleben der Menschen entscheidend verbessert“, sagt Berndorfer. Es sei immer wieder faszinierend, mit wie wenig man ganz viel erreichen könne. Bei seinem letzten Besuch in Guatemala sei dies auch wieder deutlich geworden: Die Eröffnung eines Ofens sei jedes Mal ein großes Fest, mit Musik, Tanz und einem Festmahl mit Fleisch, wie es dort nicht jeden Tag auf den Tisch komme.
Dieser Bericht entstand in Kooperation mit „Sei So Frei“ KMB OÖ. Für das Projekt werden Spenden gesammelt. Weitere Infos: www.seisofrei-ooe.at
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