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Auf einen schneearmen Winter folgte heuer ein regenarmes Frühjahr. Dementsprechend trocken sind die Böden, Grundwasserspiegel sinken, aber auch an Bächen und Seen lässt sich leicht erkennen, dass das Wasser weniger wird. Selbst wenn der Sommer genug Regen bringen könnte – der langfristige Trend, den der weltweite Klimawandel in Österreich mit sich bringt, heißt: Die Niederschlagsmengen werden instabiler. Alle Prognosen rechnen mit weniger Wasserreserven für die Zukunft.
Gleichzeitig steigt der Wasserverbrauch. Die Industrie verwendet viel Wasser. Immer mehr Menschen sehnen sich nach dem privaten Pool und wollen ihn auch mit Wasser füllen. Für Hygiene fließt trotz verschiedener Wasserspar-Techniken immer mehr (teils wenig verschmutztes) Wasser in den Abfluss. Und auch die Landwirtschaft kann immer weniger auf den Regen von oben warten, muss Bewässerungsmaßnahmen setzen und braucht dafür Grund- oder Oberflächenwasser.
In Österreich drohe zwar noch keine flächendeckende Trinkwassernot, beruhigt Franko Humer, der im „Wasserministerium“ (ganzer Name: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft) im Grundwasserschutz tätig ist. Regional sieht es aber anders aus. Ob in den Bergen oder in den tiefer liegenden Weingegenden, in denen normalerweise weniger Regen fällt: Wasserknappheit ist ein wachsendes Thema. Sinnvoll, um regionalen Wassermangel zu überbrücken, ist die übergreifende Zusammenarbeit von mehreren Wasserversorgungsunternehmen, da-
mit man sich gegenseitig aushelfen kann, wenn es nottut.
Das unter der Oberfläche verborgene Grundwasser spielt eine wichtige Rolle. Man kann es als Bodenschatz bezeichnen, der, ähnlich wie Erdöl, im Untergrund zu finden ist. Im Unterschied zu Erdöl gehört es aber zum jeweiligen Grundbesitz. Wenn etwa ein Industriebetrieb das auf eigenem Gelände vorhandene Grundwasser verwendet, fallen keine Gebühren dafür an. Allerdings gibt es Fördermengen, die im Vorhinein anzumelden und im Grunde einzuhalten sind. Über den tatsächlichen Verbrauch gibt es aber keine laufenden Aufzeichnungen. Bessere Dokumentation der aktuellen Wasserentnahme fordern Expert:innen als Teil des Grundwasserschutzes. Das hält Franko Humer vom Wasserministerium für grundsätzlich wichtig und sagt über die Umsetzung: „Die Einführung eines Wasserentnahmeregisters ist herausfordernd, wird aber vom Ministerium derzeit intensiv vorbereitet.“
Eine Besonderheit in Österreich ist die durchgängig gute Qualität des Grundwassers. Der Boden verschmutzt das Wasser nicht, er reinigt es. „Man kann sich das ein wenig wie einen Sandfilter in einem Swimmingpool vorstellen“, erklärt Wasserexperte Humer. Das Trinkwasser wird entnommen. Es muss nicht aufwändig aufbereitet werden. Selbstverständlich gibt es laufende Qualitätskontrollen, und manchmal werden Schutzchlorungen durchgeführt, aber im Großen und Ganzen kommt das Wasser trinkfertig aus der Quelle oder dem Brunnen. Der Unterschied zwischen Quelle und Brunnen ist, dass das Wasser im Fall der Quelle von selbst an die Oberfläche tritt, während es im Brunnen aus der Tiefe geholt wird. Die Tiefe und das Alter des Grundwasservorkommens variieren regional sehr stark. Eine längere Verweildauer im Boden ist aufgrund der Reinigungswirkung durchaus positiv.
Vorausschauender Grundwasserschutz hat in Österreich Tradition, wie etwa die frühzeitige Errichtung von Quellschutzgebieten. Dem ist unter anderem zu verdanken, dass die Trinkwasserqualität hoch ist. Das ist auch in einem grundsätzlich wasserreichen Land wie Österreich nicht selbstverständlich. Und es muss weiter daran gearbeitet werden, dass es so bleibt. „Wir haben einen Schatz“, sagt Franko Humer klar und deutlich, „mit dem wir sorgsam umgehen müssen.“ Das betreffe alle Bereiche der Gesellschaft – die Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft, aber auch Privatpersonen. Meist würde das Bewusstsein dafür erst durch ein einschneidendes Erlebnis geschärft – etwa durch Wassernot auf einer Auslandsreise oder wenn der Mangel kurzfristig auch hierzulande spürbar wird. Wünschenswert wäre aber, vorausschauend mit der kostbaren Flüssigkeit umzugehen, damit sie weiterhin ausreichend und in guter Qualität vorhanden ist.
Einen „Feiertag“ für den kostbaren Schatz gibt es am Freitag, 12. Juni 2026. Viele Wasserversorgungsunternehmen laden an diesem Tag dazu ein, hinter die Kulissen der Wasserversorgung zu blicken. Im Alltag wird Trinkwasser oft als selbstverständlich wahrgenommen. Wer einen Einblick bekommt, welche Leistung notwendig ist, damit das Trinkwasser „einfach so“ aus dem Wasserhahn fließt, wird den lebensspendenden Tropfen in Zukunft bewusster wahrnehmen. Nicht umsonst wird Wasser auch als „transparentes Gold“ bezeichnet.
www.unsertrinkwasser.at
„Gelobt seist du, mein Herr,
für Schwester Wasser.
Sehr nützlich ist sie
und demütig und kostbar
und keusch.“
Franz von Assisi, Sonnengesang
Zahlen rund um das Trinkwasser
92 %
der Bevölkerung werden über öffentliche Anlagen versorgt.
5.500
Wasserversorger sichern die Versorgung.
100 %
der Versorgung erfolgt aus Grund- und Quellwasser.
40 Liter
pro Tag verwendet eine Person durchschnittlich für die Toilettenspülung.
3,1 Grad Celsius
liegt die Lufttemperatur heute höher als um 1900. Das verursacht stärkere Wasserverdunstung.
70 %
weniger Gletschermasse wird es in Österreich im Jahr 2050 geben.
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