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Der Bergbau vergiftete ihre Heimat

Gesellschaft & Soziales

Der exzessive Abbau von Gold, Kupfer und Silber hat für die Philippinen dramatische Folgen. Über mögliche Alternativen zum Raubbau an der Natur und die Verantwortung von Österreich und Europa berichten philippinische Umweltaktivisten.  

Ausgabe: 2018/17
24.04.2018
- Paul Stütz
© reuters omeo Ranoco

Der industrielle Bergbau hat die Natur zerstört und Menschen krank gemacht. „Die internationalen Bergbaukonzerne wollen, dass die verheerenden Folgen vergessen werden“, sagt Adeline Angeles. Die philippinische Umweltaktivistin tourt durch Österreich (siehe unten), weil das genaue Gegenteil ihr Ziel ist. Möglichst viele Menschen sollen erfahren, was der exzessive Abbau von Gold, Kupfer und Silber angerichtet hat. Auf ihrer Heimatinsel Marinduque hat er die Umwelt kollabieren lassen. Die giftigen Abwässer mit Quecksilber, Blei und Arsen flossen jahrzehntelang ins Meer und haben die Fische vertrieben. Ein Fluss auf Marinduque gilt seit den 1990er-Jahren als biologisch tot, viele Menschen wurden krank oder starben an den Folgen der Vergiftung der Natur. Ob sich die Umwelt auf Marinduque jemals wieder vollständig erholt, ist nicht klar.

 

Konzern steht für Schäden nicht ein

Von den Gewinnen des Konzerns konnten die Menschen zu keinem Zeitpunkt der Geschichte profitieren. Der für den Bergbau auf der Insel verantwortliche kanadische Konzern hat sich vor über 20 Jahren sich von der Insel zurückgezogen. Die Umwelt hat sich jedoch bis heute kaum erholt. Für die Schäden fühlte sich der Konzern nicht verantwortlich. Umweltaktivisten wie Adeline Angeles kämpfen dafür, dass sich der Konzern in Kanada vor Gericht verantworten muss, was ein sehr mühsames Unterfangen ist. Die Bevölkerung auf Marinduque hat jedenfalls genug vom industriellen Bergbau. „Die Opposition gegen den Bergbau ist überwältigend“, sagt Adeline Angeles. Die Umweltschützer können es als Erfolg verbuchen, dass auf ihren Druck hin ein Moratorium gilt, das den Bergbau auf der Insel zumindest noch 50 Jahre lang verbietet.  

 

Bergbau in kleinem Maßstab

Dabei muss der Bergbau nicht immer schlecht sein, wie Adeline Angeles Kollege Jimmy Khayog erzählt. Gerade in seiner Heimat, der Region der Kordilleren im Norden der Philippinen, bietet der Bergbau in kleinem Maßstab die Lebensgrundlage für die indigene Bevölkerung. Anders als beim industriellen Bergbau wird dabei weniger tief in den Berg gegraben: „Sie verwenden kein Gift und nehmen nur das, was sie brauchen, und nicht mehr. Ihre Philosophie ist, etwas für die nächste Generation übrig zu lassen“, erklärt Jimmy Khayog.

 

„Dafür mussten Menschen sterben“

Diese Haltung wünschen sich die philippinischen Umweltaktivisten auch bei den ­Österreichern und Europäern. Denn die hohe Nachfrage nach Produkten wie Handys und Tablets treibt die Gier nach den ­dafür nötigen Rohstoffen wie Gold und Kupfer an. „Für die Elektronikprodukte der Euro­päer mussten viele Menschen auf den Philippinen sterben“, formuliert es Adeline Angeles drastisch. Ein Lebensstil, der nicht immer nach den neuesten technischen Spielereien verlangt, hilft, das Leid der Filipinos zu verringern.

 

Einladung von Welthaus

Adeline Angeles und Jimmy Khayog waren Mitte April auf Einladung der entwicklungspolitischen Fachstelle Welthaus der Diözese Linz zu Gast in Österreich. Die Umweltorganisationen, für die beide tätig sind, werden zudem von der Dreikönigsaktion unterstützt.

 

Jimmy Khayog und Adeline Angeles appellieren an Österreicher, weniger Handys zu kaufen.
Jimmy Khayog und Adeline Angeles appellieren an Österreicher, weniger Handys zu kaufen.
© KiZ/PS
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