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„Wir wollten immer eine Familie gründen, weil wir selbst keine hatten“, sagt Natalja. Sie und ihr Mann Alexander sind gemeinsam in einem Waisenhaus in Belarus aufgewachsen, mit 19 heirateten sie. Heute lebt das Paar mit seinen vier Kindern im Alter von zwei Monaten bis elf Jahren in einem kleinen Ort im Osten von Belarus. Das Haus ist gerade einmal 35 Quadratmeter groß, geheizt und gekocht wird mit Holz, das Wasser stammt aus dem Brunnen. Selbst im Winter muss die Wäsche draußen trocknen. Alexander verdingt sich in der Landwirtschaft als Hilfsarbeiter, jedoch verdient er dort nur wenig. Es reicht kaum aus, um die laufenden Kosten zu decken.
So wie Nataljas Familie geht es vielen in Belarus: 350.000 Menschen leben dort an oder unter der offiziellen Armutsgrenze von etwa 130 Euro pro Monat. Etwa zwei Drittel davon sind Familien mit drei oder mehr Kindern.
„Mütter können zwar bis zu drei Jahre bezahlte Karenz in Anspruch nehmen, jedoch bekommen sie in der Zeit nur etwa ein Drittel ihres vorherigen Gehalts“, sagt Sigried Spindlbeck, Länderreferentin der Caritas OÖ für Belarus, Russland und Bosnien-Herzegowina. Die durchschnittlichen Gehälter in Bereichen mit hoher Beschäftigung (z. B. Landwirtschaft, wo auch Alexander arbeitet, aber auch Bildung, Soziales und Gesundheit, Handel sowie Dienstleistungen) liegen in Belarus zwischen 580 und 700 Euro im Monat. Rund die Hälfte des Einkommens geben die Haushalte durchschnittlich für Lebensmittel aus. Dazu kommen noch die Kosten für Kleidung und Schuhe, öffentlichen Verkehr, Kommunikation sowie die Wohnkosten. „Für unerwartete Ausgaben bleibt kaum finanzieller Spielraum“, sagt Spindlbeck – die Familien geraten schnell in eine Krisensituation, wenn beispielsweise der Vater seinen Job verliert, ein Elternteil krank wird oder größere Anschaffungen notwendig sind.
Wie schnell so etwas passieren kann, zeigt die Geschichte von Olga: Ihre Schwester Maria stirbt plötzlich an einem Gehirnschlag, da ist ihr jüngstes Kind erst drei Monate alt. Der Vater ist mit der Situation völlig überfordert und verlässt die Familie. Olga adoptiert daraufhin ihre beiden Neffen und ihre Nichte. „Ich konnte nicht zulassen, dass die Kleinen ins Waisenhaus kommen. Liebe und Geborgenheit einer Familie sind doch das Wichtigste für Kinder“, ist Olga überzeugt.
Die Caritas unterstützt Familien wie Nataljas oder Olgas bei der Beantragung staatlicher Sozialleistungen und stellt in der akuten Phase Babypakete zur Verfügung. „Ein Paket enthält alles, was ein Neugeborenes dringend braucht: Windeln, Babycreme, Fläschchen, Seife, Waschmittel und weitere Bedarfsartikel“, sagt Spindlbeck.
Natalja ist froh über dieses Angebot, denn Hilfe von Verwandten hat die Familie nicht: „Das Babypaket ist eine große Unterstützung für uns – besonders Windeln sind sehr teuer.“ Rückhalt gibt es auch von Freiwilligen der Pfarrcaritas, die sich als Leihoma zur Verfügung stellen, wenn Natalja mit dem Baby zum Arzt muss, oder auch schon beim Kauf eines gebrauchten Kinderwagens geholfen haben.
„Am verletzlichsten sind wir am Beginn und am Ende unseres Lebens. Daher ist Hilfe genau dann besonders wichtig“, betont Sigried Spindlbeck. Im Jahr 2025 konnten Familien durch Spenden aus Oberösterreich mit 2.614 Babypaketen unterstützt werden. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt die Länderreferentin und ergänzt: „Der beste Weg, um Babys ein sicheres und gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, ist, die Eltern zu stärken und ihnen zu helfen, wieder selbstständig für ihre Kinder sorgen zu können.“
Dieser Bericht entstand in Kooperation mit der Caritas OÖ. Für das Projekt werden Spenden gesammelt. Weitere Infos: www.caritas-ooe.at
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