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Psyche: Wenn Kinder nicht gleich behandelt werden

GUT ZU WISSEN_

In vielen Familien ist es ein unausgesprochenes Ziel, alle Kinder möglichst gleich behandeln zu wollen. Doch im Alltag zeigt sich oft ein anderes Bild, da gibt es mehr Lob für das eine Kind oder strengere Regeln für das andere.

Ausgabe: 14/2026
31.03.2026
- Carmen Rella, Psychotherapeutin in freier Praxis, Innsbruck
© resqartist auf Pixabay

Für Kinder sind diese feinen Nuancen deutlich spürbar und können ihr Selbstbild nachhaltig prägen. Eine wahrgenommene Ungleichbehandlung führt meist zu Spannungen innerhalb der Familie und kann das Verhältnis zwischen Geschwistern beeinflussen.

 

Folgen für die Kinder


Fühlen sich Kinder benachteiligt, kann dies ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigen und dazu führen, dass sie häufiger an sich selbst zweifeln. Gleichzeitig kann Ungleichbehandlung Eifersucht und Rivalität zwischen Geschwistern verstärken, wodurch Konflikte innerhalb der Familie zunehmen. Manche Kinder reagieren mit Rückzug und werden stiller, während andere versuchen, sich verstärkt anzupassen und Erwartungen zu erfüllen, um mehr Anerkennung zu bekommen. Diese Erfahrungen bleiben oft nicht nur auf die Kindheit beschränkt: Sie können langfristige Spuren hinterlassen und prägen sowohl das eigene Selbstbild als auch spätere Beziehungen zu anderen Menschen.

 

Tipps für den Alltag


Der erste Schritt ist, sich der eigenen Verhaltensweisen bewusst zu werden. Eltern und auch Großeltern sollten sich fragen: Behandle ich meine Kinder wirklich fair – oder nur unterschiedlich? Wichtig ist auch, zwischen gleich und gerecht zu unterscheiden. Gerecht bedeutet, jedem Kind das zu geben, was es individuell braucht – ohne dabei eines systematisch zu benachteiligen. Hilfreich ist es, Situationen im Alltag zu reflektieren: Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit? Wer wird häufiger kritisiert oder gelobt? Zudem ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes wahrzunehmen. Dabei sollte darauf geachtet werden, Vergleiche zwischen Geschwistern zu vermeiden, da Aussagen wie „Warum kannst du nicht so sein wie dein Bruder?“ das Gefühl der Ungleichheit verstärken und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen können. Ebenso hilfreich ist es, sich bewusst Zeit für jedes Kind zu nehmen. Das stärkt die Bindung und vermittelt dem Kind, dass es gesehen und wertgeschätzt wird. Schließlich spielt auch offene Kommunikation eine zentrale Rolle: Eltern sollten mit ihren Kindern über deren Gefühle sprechen und diese ernst nehmen, um Vertrauen aufzubauen und mögliche Ungerechtigkeiten frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.

Carmen Rella
Carmen Rella
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