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„Jagd heißt Mitleben mit der Natur“

LEBENS_WEISE

Was einen leidenschaftlichen Jäger an der Jagd begeistert und was Nicht-Jäger dabei bedenken können: Der Bezirksjägermeister von Linz (Linz-Land und Stadt), Christian Pfistermüller, erzählt.  

Ausgabe: 26/2026
23.06.2026
- Josef Wallner
Zwei Rehe in einer Wiese.
Zwei Rehe in einer Wiese.
© Adobe / Wildmedia

Auch wenn die Herausforderungen für die Jagd rund um den Neusiedlersee anders sind als in den Bergen Tirols und Vorarlbergs oder in Oberösterreich, ist eines gleich: die Verbindung mit der Natur und die Sorge um das Gleichgewicht in der Natur. Bezirksjägermeister Christian Pfistermüller sagt, was das für ihn bedeutet: „Jagd heißt für mich, ein ganzes Jahr lang mit unserer Kulturlandschaft mitzuleben.“ 


Das Mitleben ist zurzeit besonders eindrücklich. Ab Mai ist er oft auf dem Hochstand anzutreffen. Um vier Uhr früh fährt er hinaus: „Wenn die Natur wach wird, das ist das Schönste.“ Mit dem Vogelgezwitscher geht es los, oft kommen Geißen mit ihren Kitzen, und besonders freut er sich, wenn er Fasane mit Küken sieht. Die sind in den letzten fünfzehn Jahren in  seinem Bereich zurückgegangen, aber durch die Schaffung von Wasserstellen, Deckungsmöglichkeiten und Fütterung werden sie wieder deutlich mehr. „Da geht einem das Herz auf, wenn ein Fasan sieben oder acht Küken mithat.“ Natürlich geht es ab Mai immer auch um Abschüsse. „Jeder Abschuss ist ein Tötungsakt, das ist so“, sagt Christian Pfistermüller ohne Wenn und Aber. Doch jeder Abschuss ist eingeordnet in einen Abschussplan der Behörden. Diese geben die Anzahl der Abschüsse vor. Es geht dabei um einen Ausgleich mit der Landwirtschaft und den Waldbesitzern und um das Bemühen, Schäden hinanzuhalten. 

 

Kulturlandschaften 


Die Vorstellung, die Natur unberührt und den Wildbestand sich selbst regeln zu lassen, funktioniere nicht und unterliege einem Denkfehler. „Es gibt bei uns keine unberührte Natur, wir leben in einer Kulturlandschaft. Selbst wo es ausgewiesene, geschützte Flächen gibt, ändert das nichts an der Gesamtcharakteristik der Landschaft als Kulturlandschaft, die der Mensch geformt hat“, erklärt der Bezirksjägermeister. „Da braucht es Eingriffe und Regelungen.“ Wie immer man das auch sehen mag, auf jeden Fall ist das Zusammenspiel von Forst, Feldern, Tier und Mensch deutlich komplexer, als man landläufig annimmt. Er unterstreicht nochmals: „Als Jäger muss man das ganze Jahr hindurch draußen sein und viel beobachten. Denn Jagen heißt nicht, zu erlaubten Zeiten Wild abzuschießen und dann nicht mehr im Revier zu sein.“

 

Gesundes Wildbret


Der Bezirksjägermeister Pfistermüller ist überzeugt, dass die Jäger:innen mit ihrem Engagement einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten. Er weist auch auf das Wildbret hin, das die Jäger der Bevölkerung zur Verfügung stellen können. Seit Jahrhunderten gehört es zu den traditionellen Speisen – nicht nur, aber besonders in den Herbstmonaten. Wildfleisch zählt zu den regionalen und gesunden Speisen. Es hat einen geringen Fettgehalt und ist reich an wertvollen Nährstoffen wie ungesättigten Fettsäuren. Im Bezirk Linz-Land wurde vor fünfzehn Jahren die ARGE Wildbret gegründet – ein Pionierprojekt, das sich mit großem Erfolg für die Vermarktung und Bewusstseinsbildung einsetzt. Die Website „Wilder Genuss“  als Vermarktungs-Plattform listet eine Reihe von Rezepten auf, die zeigen, wie abwechslungsreich Wild zubereitet werden kann. 

 

Verhalten bei Wildunfällen


Was oft untergeht – vor allem wenn man selbst betroffen und voll Stress und Aufregung ist –, ist die Tatsache der unzähligen ehrenamtlichen Stunden, die die Jäger:innen in Zusammenhang mit Wildunfällen leisten. Im Jagdjahr 2024/25 wurden auf Österreichs Straßen 65.011 Wildtiere getötet – darunter rund 36.637 Rehe, informiert das Kuratorium für Verkehrssicherheit. Das heißt, dass österreichweit alle acht Minuten ein Wildtier stirbt, dabei wird auch täglich eine Person verletzt. Als Verhaltensregel gilt bei Sichtung von Wild: abbremsen, abblenden, gegebenenfalls hupen und keine Ausweichmanöver. War ein Zusammenprall nicht mehr zu vermeiden, heißt es, das Auto sicher abzustellen (Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen) und den Schaden unbedingt der Polizei zu melden. Diese informiert den zuständigen Jäger, der das tote Wild abtransportiert oder das verletzte sucht. Auf jeden Fall stehen Jäger:innen jederzeit ehrenamtlich im Einsatz. Gesellschaftlich gesehen ist es keine Selbstverständlichkeit, was hier geleistet wird. 


Zu einer lebendigen Gemeinschaft in den Dörfern tragen die Jäger:innen auch mit ihrer Musik bei, möchte Christian Pfistermüller nicht unerwähnt lassen: Allein im Bezirk Linz gibt es sechs Jagdhornbläsergruppen und einen Jägerchor. 
 

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