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Vatikan

Zehn Jahre Papst Franziskus

WELTKIRCHE_

Er ist der erste Papst der Kirchengeschichte aus Lateinamerika. Franziskus’ Wahl vor zehn Jahren löste weltweit einen regelrechten Papst-Hype aus. 

Ausgabe: 10/2023
07.03.2023
- Kathpress
Seit zehn Jahren im Amt: Papst Franziskus.
Seit zehn Jahren im Amt: Papst Franziskus.
© Spaziani,Stefano / Action Press / picturedesk.com

Am 13. März 2013 wird Jorge Bergoglio im fünften Wahlgang in der Sixtinischen Kapelle in Rom zum Papst gewählt. Der Nachfolger von Benedikt XVI. entscheidet sich für den Namen Franziskus. Er ist der erste Jesuit und der erste Lateinamerikaner im Papstamt, zudem der erste Ordensmann seit 167 Jahren. 

 

Demutsgesten


Der Papst aus Argentinien ist ein Mann der Gesten. Ob er sich auf der Loggia des Petersdoms verbeugt, um ein Segensgebet der Gläubigen entgegenzunehmen, ob er einen durch Krankheit entstellten Mann umarmt oder den Anführern südsudanesischer Bürgerkriegsparteien die Füße küsst, um sie um Frieden zu bitten. Unvergessen seine Andacht zu Beginn der Pandemie mit dem erstmals überhaupt sakramental erteilten Segen „Urbi et orbi“ am 27. März 2020 auf dem dunklen, verregneten, völlig leeren Petersplatz.


Allein seine Namenswahl war ein Novum in der 2000-jährigen Kirchengeschichte: Franziskus. Franz von Assisi stand für Armut, Friedensdiplomatie und Liebe zur Schöpfung. Themen, die das Pontifikat Bergoglios seither prägen. Als Anwalt von Menschen am Rande – die erste Reise unternahm Franziskus 2013 zu den ertrunkenen Bootsflüchtlingen vor Lampedusa –, als Friedensdiplomat und Mahner für ökologische und soziale Nachhaltigkeit hat sich Franziskus immer wieder eingemischt.

 

Mit unterschiedlichem Erfolg – ob in Zentralafrika, Myanmar, Südsudan, im Ukraine-Krieg oder in Pandemie und Klimakrise. Stärker als seine Vorgänger setzt er dabei auf die interreligiöse Zusammenarbeit. 

 

„Radikal, nicht liberal“


Insgesamt brachte der Argentinier neuen Wind und neues Denken in das von mediterraner Mentalität und manch höfischen Mustern geprägte Zentrum der Kirche. Aber während Franziskus in etliche Bereiche Bewegung bringt und für Umbrüche sorgt, bleibt er in anderen Fragen traditionell, beharrend, drängt auf Vertiefung.

 

„Franziskus ist nicht liberal, er ist radikal“, sagte Kardinal Walter Kasper einmal mit Blick auf enttäuschte Reformerwartungen seiner Landsleute. Besonders deutlich ist das bei Franziskus’ Mammut-Projekt für mehr katholische Synodalität.


Einerseits hat er die punktuellen Versammlungen der Bischofssynode zu einem längerfristigen Projekt mit Laienbeteiligung ausgeweitet. Doch während andere Reformer – nicht nur im deutschsprachigen Raum – auf konkrete Entscheidungen etwa in Sachen weiblicher Weiheämter, Pflichtzölibat oder Demokratisierung drängen, geht es Franziskus zunächst um einen anderen Umgangsstil in der Kirche. Welche konkreten Schritte daraus erwachsen und wann diese umzusetzen wären, kann sich für ihn erst später zeigen. 

 

Berüchtigte Weihnachtsansprachen


Und während er manche Entscheidungskompetenz aus dem Vatikan den Ortsbischöfen zurückgibt, behält er vieles andere sich selbst vor. Was sich auch bei seiner Kurienreform zeigt. Beraten von einem externen Kardinalsrat, unter teils frappanter Umgehung der Kurie, reformiert Franziskus die Zentralverwaltung der Weltkirche – schritt- und teils auch probeweise. Den Gesamtentwurf der im April 2013 angekündigten Kurienreform gab es erst im März 2022.


Dass Reform für Franziskus in Kopf und Herz beginnt – und weniger mit Strukturen und Paragrafen –, machte er in berüchtigten Weihnachtsansprachen an die Kurie deutlich. Wenn er von kurialen Lähmungen, Schizophrenie und Alzheimer sprach, wurde klar, wie er bisher am anderen Ende der Welt den Vatikan wahrgenommen hatte.

 

Allerdings haben in seiner Amtszeit Tempo, Transparenz und Kooperationsfähigkeit der Kurie sich noch nicht sehr viel verbessert. Das zeigt sich trotz eines großangelegten Anti-Missbrauchsgipfels 2019 und daraus folgender Maßnahmen auch bei diesem Thema.

 

„Macht Lärm!“


Wichtigste Aufgabe des Mannes auf dem Stuhl des Petrus ist es, die Einheit der Weltkirche zu wahren. Zwar gab es auch unter Johannes Paul II. (1978–2005) und Benedikt XVI. (2005–2013) Proteste und Kritik. Doch kein Papst brachte so viel Unruhe wie Franziskus. Was für ihn nicht negativ ist.

 

„Fate chiasso!“ – „Macht Lärm!“, forderte er des Öfteren, wenn er zu jungen Menschen sprach. Nach zehn Jahren ist klar: Die katholische Kirche unter Franziskus ist nicht mehr die gleiche. 

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Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

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