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Kanada

Papst Franziskus bittet um Vergebung

Weltkirche

Mit einer ausführlichen Vergebungsbitte an Indigene hat Papst Franziskus seine „Bußwallfahrt“ in Kanada begonnen. 

Ausgabe: 30/2022
26.07.2022
Ankunft in Kanada: Papst Franziskus bittet um Vergebung  während der Begegnung mit Indigenen in Maskwacis.
Ankunft in Kanada: Papst Franziskus bittet um Vergebung während der Begegnung mit Indigenen in Maskwacis.
© Copyright 2022, KNA GmbH, www.kna.de, All Rights Reserved

„Ich bitte demütig um Vergebung für das Böse, das von so vielen Christen an den indigenen Bevölkerungen begangen wurde“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag vor Überlebenden früherer „Residential Schools“ auf dem Gelände einer der größten dieser Internatsschulen in Maskwacis/Alberta.

 

In seiner Ansprache vor rund 2.000 Menschen, unter ihnen Generalgouverneurin Mary Simon und Premierminister Justin Trudeau, erinnerte der Papst an das Unrecht der staatlich errichteten und von Kirchen betriebenen Internate. In diesen sollten Kinder indigener Völker an die Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden. 

 

Erster Schritt

 

Franziskus erinnerte an das, was ihm Überlebende berichtet hatten: Wie „eure Sprachen und Kulturen verunglimpft und unterdrückt wurden; wie Kinder körperlich und verbal, psychologisch und spirituell misshandelt wurden; wie sie von klein auf von zu Hause weggeholt wurden“.

 

Daher, so der Papst, „kniet die Kirche vor Gott nieder und bittet um Vergebung für die Sünden ihrer Kinder“. Viele Christen, so der Papst weiter, hätten die Kolonisierung mit ihrer Unterdrückung unterstützt. Daher bitte er um Vergebung „insbesondere für die Art und Weise, in der viele Mitglieder der Kirche und der Ordensgemeinschaften“, durch Gleichgültigkeit an „kultureller Zerstörung und erzwungener Assimilierung“ mitgewirkt hätten.

 

Die Bitte um Vergebung, so der Papst weiter, könne nur ein erster Schritt sein. Weitere Aufarbeitung und ein gemeinsamer Einsatz für Gerechtigkeit, Würdigung und Beteiligung indigener Kultur und Menschen müssten folgen. Er selber wolle „weiterhin zum Einsatz aller Katholiken für die indigenen Völker ermutigen“. Gleichzeitig bat Franziskus um Verständnis, dass er nicht alle Orte ehemaliger Residential Schools besuchen könne. 

 

Begrüßt worden war der Papst von Chief Wilton Littlechild, der als Kind ein Schüler der örtlichen Ermineskin Residential School war. Am Ende der Zeremonie überreichte er Franziskus als Anerkennung einen Kopffederschmuck. Der Papst seinerseits gab ein Paar Kindermokassins zurück, das ihm eine indigene Delegation im Frühjahr in Rom übergeben hatte mit der Aufforderung, sie gut zu hüten. Die Schuhe sollten ihn an jene Kinder erinnern, die aus den kirchlichen Internaten nicht nach Hause gekommen waren.

 

Friedhofsbesuch

 

Zu Beginn der Zeremonie hatte Franziskus allein einen nahe gelegenen Friedhof besucht, auf dem Kinder der früheren Internatsschule in Maskwacis beerdigt wurden – etliche auch anonym. Sie waren an den Folgen von Krankheiten, aber auch Vernachlässigung und Misshandlung gestorben. Die Ermineskin Indian Residential School war von 1916 bis 1973 eine der größten des Landes. 1991 wurde die Einrichtung der Ermineskin Cree Nation übergeben.

 

Reaktionen

 

In ersten Reaktionen zeigten sich kanadische Kommentatoren zwar beeindruckt von der Ansprache und der deutlichen Bitte um Vergebung. Zugleich mahnten sie die vom Papst angedeutete Aufarbeitung an; dazu müssten kirchliche Einrichtungen noch mehr Archive öffnen. Auch habe der Papst weder das in Kanada inzwischen geläufige Wort vom „Genozid“ verwendet, noch von der Schuld der Kirche als ganzer und ihrer früheren Rechtfertigung des Kolonialismus, den sogenannten „doctrine of discovery“, gesprochen.

 

Kein Zwang

 

Bei seiner zweiten Begegnung mit Indigenen hat Papst Franziskus jeglicher Zwangsmissionierung eine Absage erteilt. „Man kann Gott nicht auf eine Weise verkünden, die im Widerspruch zu Gott steht“, sagte er am Montagnachmittag beim Besuch einer Kirchengemeinde in Edmonton. Leider sei das oft in der Geschichte passiert. Gott biete sich demütig an, Menschen versuchten dagegen, ihn aufzuzwingen und in seinem Namen sich selbst aufzudrängen. „Im Namen Jesu, dies möge in der Kirche nicht mehr vorkommen“, so das Kirchenoberhaupt.

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