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Die Territorialreform der Diözese Linz schreitet voran

Wie eine neue Pfarre tickt

KIRCHE_OÖ

Die Leitung der Pfarre Schärding erzählt über ihre Erfahrungen aus den ersten neun Monaten der neuen Pfarre. 

Ausgabe: 40/2023
03.10.2023
- Josef Wallner
Die Leitung der Pfarre Schärding: Verwaltungsvorstand Florian Pfeiffer (v. li.), Pastoralvorstand Martin Brait und Pfarrer Eduard Bachleitner
Die Leitung der Pfarre Schärding: Verwaltungsvorstand Florian Pfeiffer (v. li.), Pastoralvorstand Martin Brait und Pfarrer Eduard Bachleitner
© Kiz/JW

„Wir haben bisher an den Grundfesten betoniert, jetzt beginnen wir, an den Wohnräumen zu arbeiten“, antwortet Martin Brait auf die Frage, wie er die Situation der neuen Pfarre Schärding nach einem Dreivierteljahr ihres Bestehens beschreiben würde.

 

Der langjährige Dekanatsassistent gehört nun als Pastoralvorstand mit Pfarrer Eduard Bachleitner und Verwaltungsvorstand Florian Pfeiffer dem dreiköpfigen Leitungsteam der Pfarre an.

 

GEWOHNTES PFARRLEBEN

 

Nach zwei Jahren der Vorbereitung war der 1. Jänner 2023 ein großer Tag: Am Neujahrstag wurde die neue Pfarre Schärding gegründet, wie vier weitere neue Pfarren in der Diözese auch.

 

Die Pfarre Schärding ist aus den zwölf Pfarren des Dekanats hervorgegangen. Die Pfarren bleiben als Pfarrgemeinden erhalten, wo sich für die Gläubigen das kirchliche Leben im Alltag abspielt. Darum kann Brait trotz der grundlegend neuen Struktur sagen: „Das kirchliche Leben in den Pfarrgemeinden läuft in vielem so weiter, wie es war. Die Feste des Kirchenjahrs, die Taufen und Begräbnisse – all das läuft in vielem so weiter wie bisher.“

 

Ein Großteil der Pfarrbevölkerung wird die Änderungen gar nicht merken, ist der Pastoralvorstand überzeugt. Bei den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen ist das anders, denn die Leitungsstrukturen haben sich völlig geändert. 

 

STRUKTUR MUSS SICKERN

 

Pfarrer Eduard Bachleitner kann das am Beispiel seiner Person illustrieren. Er wird vielfach noch immer als „Dechant und Stadtpfarrer von Schärding“ begrüßt. Beide Funktionen gibt es nicht mehr.

 

Er ist Pfarrer der neuen – großen – Pfarre Schärding und im Seelsorgeteam der ehemaligen Stadtpfarre, die nun als Pfarrgemeinde „Stadt Schärding“ ein Teil der neuen Pfarre Schärding ist.

 

Diese besteht aus elf weiteren gleichwertigen Pfarr-Teilgemeinden, wie die Bezeichnung exakt heißt. Pfarrer Bachleitner ist Mitglied des Seelsorgeteams Schärding, das die Pfarrgemeinde leitet.

 

Selbstverständlich wird er dort als Chef wahrgenommen, nachdem er mehr als zwanzig Jahre die Pfarre ja wirklich geleitet hatte. Aber er ist es nicht. „Das braucht jetzt einfach Zeit, bis das neue Verständnis – vor allem die zentrale Bedeutung des Seelsorgeteams – nach unten sickert.“  Weiters  ist er im Seelsorgeteam St. Florian am Inn beratend dabei.

 

SEELSORGETEAMS

 

Die Seelsorgeteams sind der Dreh- und Angelpunkt der neuen Struktur, denn jede einzelne Pfarrgemeinde wird nun von einem solchen geleitet. Dieses setzt sich aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, weiters aus Hauptamtlichen, Priestern und Laien-Seelsorger:innen.

 

So ist zum Beispiel Pastoralvorstand Martin Brait Mitglied in den Seelsorgeteam von Münzkirchen. Als Hauptamtlicher leitet er aber nicht automatisch das Seelsorgeteam. Vertreter:in der Pfarrgemeinde nach außen und innen ist ein Sprecher oder eine Sprecherin, die aus dem Seelsorgeteam nominiert werden. 

 

STRUKTUR UND BOTSCHAFT

 

Das klingt alles ein wenig verwirrend und kompliziert, ist es in der Praxis aber nicht. In einer Reihe von Pfarren waren auch bisher schon Seelsorgeteams aktiv, die ähnlich gearbeitet haben.

 

Martin Brait freut sich, dass mit der Gründung der neuen Pfarre Schärding so wie vorgesehen in jeder Pfarrgemeinde ein Seelsorgeteam aktiv ist: „Das Legen und Aufbauen der Strukturen war eine intensive Zeit, jetzt gilt es, die Pfarrgemeinden mit Leben und froher Botschaft zu füllen.“ 

 

Das Fest zur Pfarrgründung in der Sporthalle Schärding war eine beeindruckende Feier.

Das Fest zur Pfarrgründung in der Sporthalle Schärding war eine beeindruckende Feier.    

 

UNTERSCHIEDLICHES TEMPO

 

Pfarrer Bachleitner ergänzt: „Es wurden in den vergangenen zwei Jahren viel analysiert, viele Konzepte erarbeitet, viel umgestellt – jetzt muss einmal die Zeit sein, dass das alles ankommen kann. Jetzt sind Begleitung und Hilfe angesagt und nicht wieder neue Vorschriften. Jetzt muss man Zeit zum Einwurzeln geben.“

 

Rücksicht zu nehmen auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in den Pfarrgemeinden ist für den Pastoralvorstand nun angesagt, der froh ist, dass es keine verletzenden Konflikte und offene Ablehnung des neuen Wegs gab. Dabei gehört ein Themenbereich zur neuen Pfarre, der durchaus Stoff für Streit bergen könnte: die Finanzen und die Verwaltung.  

 

HEIKLE FINANZEN

 

Die Umstellungsphase hat Verwaltungsvorstand Florian Pfeiffer als hektisch, geprägt von vielen, vielen Überstunden und schlaflosen Nächten erlebt: „Wir haben uns bemüht, die ehrenamtlichen Finanzverantwortlichen in den Pfarrgemeinden mit ihren Sorgen ernst zu nehmen und sie so gut wie möglich zu begleiten. Was mich umso mehr freut: Wir haben es geschafft, zu einem Team zusammenzuwachsen.“

 

Die Veränderungen im Finanzbereich waren durchaus gravierend. Das Pfarrbüro in Schärding wurde zum Verwaltungszentrum, von wo aus etwa die Buchhaltung und der Zahlungsverkehr für alle zwölf Pfarrgemeinden abgewickelt werden.

 

Doch selbst bei Sitzungen über die Pastoral nehmen Fragen der Verwaltung noch immer breiten Raum ein: oft 90 Prozent Verwaltung und Geld und nur zehn Prozent pastorales Kerngeschäft, gibt Verwaltungsvorstand Pfeiffer einen kleinen Einblick in seinen Arbeitsalltag. 

 

URKIRCHE ALS VORBILD

 

„Wir müssen noch viel mehr vermitteln, dass die neuen Verwaltungs- und Finanzstrukturen ein Qualitätssprung in Rechtssicherheit und Klarheit und für die  Sekretärinnen in den Büros der Pfarrgemeinden eine echte Unterstützung sind“, betont Brait, der mit Blick auf die gesamte Veränderung des Pfarrsystems sagt: „Ich bin sehr dankbar um die neue Struktur, weil sie der Kirche neue Wege in die Zukunft öffnet und neue Perspektiven, nämlich die Perspektiven der Urkirche gibt.“  
 

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