Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
„Die größte Veränderung ist, dass die Qualität im Bereich Tod und Trauer heute im Zentrum steht“, sagt Irmgard Sternbauer, Leiterin des Fachbereichs Pfarrseelsorger:innen, mit Blick auf die Entwicklung der Trauerpastoral in der Diözese Linz in den vergangenen Jahren.
Die Art und Weise, wie Menschen Abschied nehmen, hat sich spürbar verändert. Wo früher Traditionen den Ablauf bestimmten, rücken heute Individualität, persönliche Begleitung und erlebbare Qualität in den Vordergrund.
Die Diözese Linz reagiert darauf mit neuen Strukturen, die sich an der Lebensrealität der Menschen orientieren.
Nicole Leitenmüller, Referentin für Trauerpastoral, erklärt, dass Menschen gerade in Krisen Halt brauchen: „Wenn ein Mensch stirbt, gerät die Welt der Angehörigen ins Wanken. Umso wichtiger ist es, dass die Kirche Orientierung gibt und Menschen professionell und mit einem warmen Herzen begleitet.“
Wie das konkret aussehen kann, zeigt ein Beispiel von Nicole Leitenmüller: Für einen verstorbenen Pyrotechniker mit großer Leidenschaft für Feuerwerk suchte die Familie nach einer besonderen Form des Abschieds.
Da eine echte Rakete im Kirchenraum nicht möglich war, entstand für die Totenwache eine symbolische Lösung: Gemeinsam wurden Spritzkerzen entzündet – unter dem Motto „das Leben ein letztes Mal zum Leuchten zu bringen“.
Der emotionale Höhepunkt folgte beim Begräbnis am nächsten Tag im Freien, als eine letzte Rakete mit guten Wünschen in den Himmel stieg.
Für Nicole Leitenmüller zeigen solche persönlichen Abschiede, dass die Kirche am Puls der Zeit ist und Menschen auch heute zeitgemäß begleiten kann. Sie betont aber auch: „Gute Begleitung braucht Kreativität und Zeit.“
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat die Diözese 2023 die Stelle einer Referentin für Trauerpastoral geschaffen. Zudem wurde im Zuge der Pfarrstrukturreform das Thema „Tod und Trauer“ als Pflichtthema in den Pastoralkonzepten der neuen Pfarren verankert. Für Leitenmüller ist das konsequent: Die Begleitung in Krisen gehört zum christlichen Grundauftrag.
Ein Pflichtthema bedeutet in der neuen Pfarre, dass Zuständigkeiten und Erreichbarkeit klar geregelt sind. Hauptamtliche Seelsorger:innen vernetzen Ehrenamtliche, die das Thema in die Pfarrgemeinden weitertragen.
Trauerbegleiter:innen, Begräbnisleiter:innen, Leiter:innen von Totenwachen und Bestatter:innen arbeiten multiprofessionell zusammen, tauschen sich aus und entwickeln gemeinsame Handlungsleitlinien. Die konkreten Lösungen unterscheiden sich je nach Region im Detail. In vielen Pfarren ergänzen Trauercafés und Trauergruppen die persönliche Begleitung durch haupt- und ehrenamtliche Seelsorger:innen.
Allen gemeinsam ist jedoch, dass Ehrenamtliche zunehmend Verantwortung übernehmen – bei Begräbnisleitungen, Totengebeten und in der Trauerbegleitung.
Mehr als 100 Ehrenamtliche wurden in den vergangenen Jahren in Trauerbegleitungslehrgängen ausgebildet, berichtet Lehrgangsleiterin Nicole Leitenmüller. Für sie sind es „besondere Menschen mit Charisma“, denn die Begleitung von Trauernden in Ausnahmesituationen ist eine Aufgabe, die nicht für jeden geeignet ist.
Gefragt sind innere Stabilität, Selbstreflexion und die Fähigkeit, sich abzugrenzen. Die Engagierten kommen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern – vom sozialen Bereich bis zur Steuerberatung.
Auffällig ist der hohe Frauenanteil: Rund 90 Prozent der Teilnehmenden in den Trauerbegleitungs-Lehrgängen sind Frauen. Beim jährlich stattfindenden Lehrgang für Begräbnisleitung nehmen seit 2020 etwa gleich viele Frauen wie Männer teil. Insgesamt wächst der Anteil von Frauen und Ehrenamtlichen weiter.
Ergänzend zur Seelsorge vor Ort stehen niederschwellige Beratungsangebote wie die Telefonseelsorge oder Beziehungleben.at zur Verfügung. Speziell ausgebildete Notfallseelsorger:innen leisten zudem „Erste Hilfe für die Seele“ nach belastenden Ereignissen.
Auch aktuelle Entwicklungen gewinnen in der Trauerpastoral der Diözese Linz an Bedeutung: Immer mehr Jugendliche trauern online, und das Thema Sternenkinder rückt stärker ins öffentliche Bewusstsein.
Für Nicole Leitenmüller liegt in der neuen Entwicklung eine Chance: „Was unterscheidet die katholische Kirche von einem guten Trauerredner, einer guten Trauerrednerin? Wir können Menschen in ihrem Leid die christliche Hoffnung anbieten: dass das Leben des verstorbenen Menschen nicht einfach endet, sondern ein neues Leben bei Gott beginnt.“
Irmgard Sternbauer ergänzt: „Die christliche Botschaft darf dabei nie aufgezwungen werden. Im Mittelpunkt steht, was die Trauernden bewegt und was die verstorbene Person ausgemacht hat. Das gilt es je individuell mit der christlichen Botschaft zu verbinden.“ Am Ende gehe es darum, das Leben eines Menschen noch einmal zu würdigen – und die Hinterbliebenen gut zu begleiten. Angesichts wachsender Einsamkeit in der Gesellschaft müsse die Kirche hier ein starkes Sensorium entwickeln, um den tatsächlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Friedhöfe und Kirchenräume könnten als „gute und freundliche Orte“ dazu beitragen, trauernde Menschen aus ihrer Isolation zu holen.
Website mit Infos, Trauer-Terminen und Trauer-Begleiter:innen: www.dioezese-linz.at/trauerhilfe
Die Tagung „Mitten im Leben dem Tod begegnen“ am Freitag, 27. März, im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels wird gemeinsam von Telefonseelsorge 142, Notfallseelsorge OÖ, Trauerpastoral und Beziehungleben.at organisiert.
Thema ist, wie Menschen auf den (plötzlichen) Tod von Angehörigen reagieren und welche Dynamiken dabei entstehen können. Gleichzeitig wird verdeutlicht, wie Betroffene bei der Verarbeitung von Schock und Trauer unterstützt werden können und Halt, Orientierung und Schutz erfahren.
Fast 300 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter:innen der katholischen Kirche in Oberösterreich nehmen daran teil.

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
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