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Bitttage für gute Arbeit

KIRCHE_OÖ

Gottesdienste in Betrieben an vier Orten im Mühlviertel greifen eine sehr alte christliche Tradition auf: An den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt wird seit vielen Jahrhunderten für die Früchte der Arbeit gebetet. 

Ausgabe: 19/2026
05.05.2026
- Andrea Mayer-Edoloeyi
Letztes Jahr fand ein Gebet für gute Arbeit in der Backstube der Bäckerei Honeder in Engerwitzdorf (bei Gallneukirchen) statt.
Letztes Jahr fand ein Gebet für gute Arbeit in der Backstube der Bäckerei Honeder in Engerwitzdorf (bei Gallneukirchen) statt.
© Fachteams Mensch & Arbeitswelt Gallneukirchen / Glaube & Arbeit Sarleinsbach

„Wir wollen in Bewegung kommen und dorthin gehen, wo die Leute sind, wo sie arbeiten“, erklärt Christian Leonfellner, ehrenamtlicher Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer:innen-Bewegung OÖ (KAB) und engagiert im Fachteam Mensch & Arbeitswelt in der Pfarrgemeinde Gallneukirchen. Dort wird seit den 1980er-Jahren jedes Jahr an den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt ein anderer Betrieb in der Umgebung besucht, um dort direkt in den Betriebsgebäuden Gottesdienst zu feiern. 

 

Gebet um gute Arbeit

Leonfellner berichtet über die Entstehung: „Die Generation der KAB-ler:innen vor uns hat die alte Tradition der Bitttage für eine gute Ernte aufgegrifffen und weiterentwickelt. Die Beschäftigten in der Landwirtschaft wurden weniger, und so kam die Idee auf, in einen Betrieb zu gehen und dort gemeinsam um ‚gute Arbeit‘ zu beten.“ Diese Idee ging auf. In den letzten Jahren kommen jeweils 70–80 Mitfeiernde zu diesen Gottesdiensten an den Orten der Arbeit. Letztes Jahr war man in der Bäckerei Honeder, davor standen schon eine Fahrschule, ein Dachdecker, ein Einkaufszentrum und das Diakoniewerk am Programm. Heuer geht es zu einer Gartengestaltungsfirma. 

 

Demut vor Gott

Die Bittprozession in Sarleinsbach führt heuer ins Naturbad, wo sowohl Menschen mit Beeinträchtigungen im Rahmen eines Sozialprojektes arbeiten als auch Ehrenamtliche über einen Verein für den Betrieb des Buffets sorgen. Inhaltlich geht es um das Wasser – die Quelle des Lebens. Robert Bräuer vom Fachteam Glaube und Arbeitswelt ist es wichtig, den Bittgedanken auf heute auszudehnen: „Wir sind heute von so vielem abhängig.“ In der Einladung zur Bittprozession heißt es: „Die Bitte um das tägliche Brot, gutes Wetter, Gedeihen der Frucht und eine gute Ernte hat in der heutigen industrialisierten und globalisierten Welt eine besondere Bedeutung erlangt. Unser Weg ist eine Bitte für gute Arbeit.“ Die Form der Bittprozession sei Ausdruck der Demut vor Gott und soll besonders darauf hinweisen, dass das Ziel ohne Gottes Hilfe nicht erreicht werden könne. Während der Prozession wird der Rosenkranz gebetet und im Betrieb findet eine Eucharistiefeier statt. 
„Die Würdigung der konkreten Arbeit im Betrieb ist mir ein besonderes Anliegen“, sagt Bräuer, der das auch in seiner Predigt umsetzt. Dazu trägt auch bei, dass der Altar für die Messe im Wirtschaftsbetrieb immer passend zur konkreten Arbeit gestaltet ist (siehe Fotos oben). Die Idee für die Bitttage vor Christi Himmelfahrt hat man sich in Sarleinsbach von Gallneukirchen abgeschaut. Sie sind heute auch schon eine Tradition und werden zum 17. Mal durchgeführt. Meist beten und feiern dabei an die 150 Menschen mit. „Schön, dass wir so willkommen sind in den Betrieben“, freut sich Robert Bräuer. 

 

Die Idee zieht Kreise

In Gallneukirchen und Sarleinsbach gibt es, wie auch in manch anderen Orten in Oberösterreich, nach wie vor Prozessionen der Landwirtschaft an den Bitttagen. Daran nehmen meist andere Personen teil als an den Bitttagen für die Arbeitswelt. 
Das Thema Arbeit steht heuer auch in Schwertberg und Baumgartenberg am Programm, die sich dabei von Gallneukirchen bzw. Sarleinsbach inspirieren liessen. Heinz Mittermayr vom Team Mensch & Arbeit der Diözese sagt: „Gerne unterstützen wir auch andere Orte bei Ideen für die Seelsorge in der Arbeitswelt.“


Tradition seit 469

Die Bitttage vor Christi Himmelfahrt sind in gewisser Weise das Pendant zum Erntedank im Herbst. Sie sind sehr alt und haben ihren Ursprung in Gallien (heutiges Frankreich). Wegen Erdbeben und Missernten ordnete der Bischof von Lyon im Jahr 469 Bußprozessionen verbunden mit Fasten an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt an. Andere Diözesen übernahmen die Tradition und 511 schrieb die Synode von Orléans die Bitttage für Gallien vor. Papst Leo III. führte diese im 9. Jahrhundert in Rom ein, allerdings ohne das Fasten. 
In der aktuellen Grundordnung des Kirchenjahres steht, dass die Kirche an den Bitttagen „für mannigfaltige menschliche Anliegen, besonders die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen“ betet und sich diese Tage auch zum öffentlichen Dank eignen. Die traditionelle Liturgieform für die Bitttage ist in den kirchlichen Dokumenten eine Bittmesse.  

 

 

 

Bitttage für die Arbeitswelt

 

Schwertberg: Bittmesse im Bauhof Schwertberg
Mo., 11. Mai 2026, 19 Uhr, Fachteam „Miteinander Leben“

 

Sarleinsbach: Bittprozession „Wasser, Quelle des Lebens“ 
im Naturbad Sarleinsbach
Mo., 11. Mai 2026, 19:30 Uhr, Fachteam Glaube und Arbeit

 

Gallneukirchen: Bittprozession bei der Fa. Garten Schinagl
Di., 12. Mai 2026, 19:30 Uhr, Treffpunkt Parkplatz Firma Volgger in Spattendorf, Fachausschuss Glaube und Arbeitswelt

 

Baumgartenberg: Bittgottesdienst „Fenster – Aussichten und Einsichten“ bei der Fa. Baumann Glas
Mi., 13. Mai 2026, 19 Uhr, Pfarrgemeinde Baumgartenberg 
und KAB OÖ

Holz Seyrl (re. und li.) und Internorm Fenster (Mitte) waren in Sarleinsbach schon Orte für Bittmessen.
Holz Seyrl (re. und li.) und Internorm Fenster (Mitte) waren in Sarleinsbach schon Orte für Bittmessen.
© Glaube & Arbeit Sarleinsbach
 Internorm Fenster in Sarleinsbach
Internorm Fenster in Sarleinsbach
© Glaube & Arbeit Sarleinsbach
Holz Seyrl
Holz Seyrl
© Glaube & Arbeit Sarleinsbach
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