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Pro Oriente-Veranstaltung zu Kirchenreformen: Im Gespräch bleiben

KIRCHE_OÖ

„Die Standortbestimmung der katholischen Kirche zwischen den beiden Sessionen der Weltsynode über die Synodalität“ war Thema der jährlichen Versammlung des Komitees von Pro Oriente Linz.

Ausgabe: 10/2024
05.03.2024
- Josef Wallner
© Kiz/JW

Die Linzer Pastoraltheologin Clara A. Csiszar nahm als Expertin bei der Weltsynode im Oktober 2023 in Rom teil und konnte aus erster Hand berichten.

 

Alle Themen wie Zölibatsverpflichtung für Priester, Öffnung des Diakonenamtes für Frauen und vieles mehr haben bei der Abstimmung am Ende der ersten Session große Mehrheiten erreicht, sodass sie bei der der zweiten, abschließenden Sitzungsperiode im Herbst 2024 auf jeden Fall Thema sein werden. Dass keines dieser Themen „rausgefallen“ ist, hält Csiszar für ein ermutigendes Zwischenergebnis der ersten Session. 

 

Im Blick auf die evangelische Kirche wies Senior Markus Lang darauf hin, dass die evangelische Kirche von Grund auf synodal verfasst ist, das heißt in ihrem Fall basisdemokratisch strukturiert ist. Der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Stefan-Casian Lungeanu sieht die Synodalität als Ausgleich zwischen der Bischofssynode, dem Primas der Synode und der Versammlung der Gläubigen: „Die Quelle der Einheit aber ist Christus“. 

 


Von links: Pro-Oriente-Vorsitzender der Sektion Linz Altlandeshauptmann Josef Pühringer, Generaldirektor der OÖ Versicherung Othmar Nagl (Gastgeber und Pro-Oriente-Mitglied), der rumänisch-orthodoxe Pfarrer von Traun Stefan-Casian Lungeanu, Univ.-Prof. Klara A. Csiszar, Pastoraltheologin an der KU Linz und Pro-Oriente-Mitglied, der rumänisch-orthodoxe Pfarrer von Linz Sorin Bugner, Senior Markus Lang (Stellvertreter des Superintendenten der evangelischen Kirche A. B. Oberösterreich und Pfarrer in Vöcklabruck) und Bischof Manfred Scheuer. Das Komitee (Jahreshauptversammlung) der Pro-Oriente-Sektion Linz fand am 27. Februar 2024 in Linz im Atrium der OÖ Versicherung statt. 

 

Synodale Kirche: „Verdammt schwer, aber schön“

 

Das Komitee (Jahreshauptversammlung) von Pro Oriente Sektion Linz fand am 27. Februar 2024 in Linz im Atrium der OÖ Versicherung statt und hatte die Weltsynode über die Synodalität zum Thema.

 

Der Gastgeber und Pro Oriente Mitglied, Generaldirektor der OÖ Versicherung Othmar Nagl, betonte in seiner Begrüßung, dass die die OÖ Versicherung und Pro Oriente durch dieselbe Wertewelt verbunden sind: durch Menschlichkeit und Nächstenliebe, die letztlich in Solidarität münden.

 

Eine Versicherung sei natürlich dazu da, um Ersatz von Schäden zu leisten, aber wir fühlen uns auch am Dienst für die Gesellschaft verpflichtet, erklärt Nagl.

 

Altlandehauptmann Josef Pühringer, Vorsitzender von Pro Oriente-Sektion Linz griff in seiner Eröffnung das Thema des Komitee-Abends auf: „Zukunft der Kirche - Standortbestimmung der Kirche zwischen den beiden Sessionen der Weltsynode über die Synodalität“.

 

Er sagte: „Es geht um eine Kirche, die vorwärtsschaut, die vorwärts denkt und vorwärts geht.“ Er begrüßte die Referentin Univ.-Prof. Klara Antonia Csiszar, die seit 2019 Pastoraltheologie an der KU Linz lehrt und Mitglied im Pro Oriente Arbeitsausschuss Linz ist.

 

Sie nahm von Papst Franziskus ernannt als Theologin (ohne Stimmrecht) bei der Weltbischofssynode über die Synodalität der Kirche im Oktober 2023 in Rom teil und wird bei im Herbst 2024 wiederum dabei sein. Sie gab Einblick in die Arbeitsweise der Synode. So zeigte die Sitzordnung an runden Tischen, dass die Teilnehmer:innen an der Synode – Kardinäle, Bischöfe, Ordensleute und Laienchrist:innen - auf Augenhöhe kommunizierten.

 

Dass an und durch die runden Tische ein neuer Stil von Kirche sein eingeübt wurde, ist kein unbedeutendes Ergebnis der Synode, unterstreicht Csiszar: „Es war ein respektvolles Zuhören und Miteinander zu spüren, wo die Vielfalt zur Kraft wurde. Verlernen wir dabei auch nicht vom Heiligen Geist und von Jesus Christus zu sprechen.“

 

Von dieser respektvollen Art miteinander zu kommunizieren könnte man sich auch in der Welt der Politik und bei internationalen Konferenzen lernen, meint Csiszar: „In Rom wurde über Augenhöhe nicht nur gesprochen, sondern sie wurde gelebt.“

 

Die Pastoraltheologin ging in ihrem Vortrag bei Pro Oriente besonders auf die Schlussabstimmung der ersten Sitzungsperiode ein, bei der darum ging die Schwerpunkte für die zweite Sitzungsperiode zu definieren.

 

Alle in der Kirche kontrovers diskutierten Themen wie Umgang mit dem Missbrauch in der Kirche, mit LGBT-Lebensentwürfen, mit der Frage des verpflichtenden Zölibats und dem Diakonat für Frauen wurden mit großer Stimmenmehrheit in die Synthese (Zwischenbericht) aufgenommen, die die Basis für die Weiterarbeit im Herbst darstellt. Csiszar hält das für ein wichtiges und erfreuliches Ergebnis, das nicht festgestanden ist und auch anders hätte kommen können.

 

Ob im Zug der zweiten Sitzungsperiode schon konkrete Reformen beschlossen werden, bezweifelt Csiszar: „Ich glaube nicht, dass Papst Franziskus im Herbst 2024 das Diakonenamt für Frauen öffnen wird.“ Sie betont aber, dass es Gruppen braucht, die Papst Franziskus unterstützen. Bei der Synode habe sie gesehen, dass tradtionalistisch-konservative Gruppen, die Neuerungen in der Kirche ablehnen, bestens vernetzt sind und hochprofessionell arbeiten. 

 

Aktuell zeigt sich die Kirche zwischen reformorientieren und traditionsorientieren Kräften gespalten. So ein Spalt ist zum Beispiel zwischen den Bischöfen West- und Osteuropas zu sehen. Klara Csiszar macht aber deutlich, dass zur Zeit Europa und die Europäische Union mit demselben Problem kämpfen.

 

Als Kritik an der Synode sei oft zu hören, dass das Thema „Synodalität“ schwer greifbar ist, erläutert Klara Csiszar: „Synodalität ist wie eine Nussschale, die das gesamte zweite vatikanische Konzil enthält. Es braucht eine Wiederholung der großen Themen des Konzils.“ Das ist aus der Sicht der Pastoraltheologin notwendig: Sonst sei die Synode nicht zu verstehen. Nicht überall haben das Konzil und die daraus resultierende Theologie jenen Stellenwert, „wie wir es im Westen kennen.“ 

 

„Eine synodale Kirche zu sein, ist verdammt schwer, aber schön. Man muss ganz unten anfangen. Es ist ein Prozess der missionarischen Herzensbildung notwendig. Unser Miteinander muss ein gelebtes Evangelium werden“, resümiert Klara Csiszar.

 

Um das Thema Synodaliät aus der Perspektive getrennter Kirche zu betrachten kamen beim Komitee-Abend für die Orthodoxie der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Stefan-Casian Lungeanu zu Wort und für die Kirchen der Reformation Senior Markus Lang von der Evangelischen Kirche A.B. Oberösterreich. „Was wir Synodalität nennen, ist unser Kirchenparlament. Dieses klare paritätische System zwischen Geistlichen und Ehrenamtlichen ist die Genetik unserer Kirche.“

 

Die Synodalität sei jeweils auf einzelne Staaten bezogen, im Blick auf die große Welt sind nur Arbeitsgemeinschaften möglich, erklärt Pfarrer Lang. Ein Nachteil sei auch, dass es zu Parteiungen kommen kann. Zum synodalen Prozess meint er: „Wir schauen fasziniert auf die katholische Kirche, die sich auf einen demokratischen Weg begibt.“

 

In der Orthodoxie hat Synodaliät eine spezifische Erscheinungsform, die sich in der Bischofssynode der jeweiligen Kirche, dem Primas eines Landes und der Versammlung der Gläubigen zeigt. Sie ist ein komplexes Zueinander, die sich aber besonders in der eucharistischen Gemeinschaft manifestiert.

 

Bischof Manfred Scheuer betonte, dass Synodalität kein Selbstzweck ist: „Wir müssen den Weg als synodale Kirche gehen und unsere missionarische Sendung realisieren“.   

 

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