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Mumienrätsel fast gelöst: Ein letztes Geheimnis bleibt

Kirche OÖ

Starb er durch einen Giftanschlag? Blieb der Leichnam durch radioaktive Strahlung oder gar ein Wunder so lange erhalten?

Ausgabe: 45/2018
06.11.2018
- Paul Stütz
Der neue Gruftraum unterhalb der Pfarrkirche in St. Thomas am Blasenstein
Der neue Gruftraum unterhalb der Pfarrkirche in St. Thomas am Blasenstein
© Diözese/Wimmer

Viele Legenden ranken sich um die Mumie von St. Thomas am Blasenstein – besser bekannt als „luftgselchter Pfarrer“. Ein Forscherteam konnte nun Antworten liefern.

 

Die Spekulationen rund um die Mumie von St. Thomas am Blasenstein sind jahrhundertealt. Die Identität des Leichnams ist durch Berichte (etwa im Heimatbuch) überliefert, jedoch wissenschaftlich bisher eher schwach abgesichert. Es soll sich bei dem Toten um den Chorherrn Franz Xaverius Sydler de Rosenegg handeln. Er war in dem Ort die letzten drei Jahre seines Lebens Pfarrer und starb 1746. Die Legendenbildung verstärkte, dass es für die Auffindung der Mumie rund um das Jahr 1800 keine schriftlichen Belege gibt. 
Bereits im Jahr 2000 ging eine Untersuchung den verschiedenen Theorien nach, wie die Mumifizierung zustande gekommen sein konnte. Die Röntgenaufnahme des „luftgselchten Pfarrers“ brachte damals jedoch keine wirkliche Erklärung dafür, wieso der Leichnam wie durch ein Wunder erhalten blieb. 


Tod durch Blutsturz

Erst jetzt konnte ein Münchner Forscherteam mit einer Computertomografie und neuen Gewebeproben von der Mumie Licht ins Dunkel des Geheimnisses rund um Identität, Todesursache und Mumifizierung bringen. „Höchstwahrscheinlich führte ein akuter Blutsturz infolge einer chronischen Lungentuberkolose zum Tod“, erklärte Peter Hofer vom Institut für Rechtsmedizin der Universität München bei der Präsentation der Ergebnisse in der Volksschule St. Thomas.

 

Kein Giftanschlag

Widerlegt wird damit auch das Gerücht, dass auf den Pfarrer ein Giftanschlag verübt wurde, denn die rätselhafte kirschkerngroße Kugel im Bauch, die schon im Jahr 2000 auf einem Röntgenbild zu sehen war, entpuppte sich als Glasperle, wie sie etwa für Stickereien, Schmuck und Rosenkränze verwendet wurde. Die Perle dürfte einfach „mitgerutscht“ sein, als der Leichnam mit Hobelspänen, Astwerk und Stoffstückchen ausgestopft wurde, um ihn – und das ist das spektakulärste Ergebnis – gezielt haltbar zu machen. Die Konservierung wurde mit Chemikalien unterstützt. Zudem ist der Leichnam wahrscheinlich längere Zeit unter Luftabschluss gelegen. 
„Die alten Theorien zur natürlichen Mumifizierung sind zu vergessen. Der Tote wurde durch einfache Balsamierung gezielt erhalten“, sagt der Münchner Rechtsmediziner Oliver Peschel. 

 

Es war wohl der Pfarrer

Dass es sich bei der Mumie tatsächlich um den 1746 im Alter von 37 Jahren verstorbenen Pfarrvikar Franz Xaverius Sydler de Rosenegg handelt, konnte dagegen von dem Forscherteam mit mehreren Belegen untermauert werden. Die Radiokarbondatierung einer Gewebeprobe legt den Sterbezeitpunkt zwischen 1734 und 1780. Lederschuhe, wie die Mumie sie trug, datieren aus der Zeit zwischen 1670 und 1750. Haut- und Knochenbefunde zeigen, dass die Person sehr gut genährt war und keine starke körperliche Arbeit leisten musste, was ebenfalls zum Typus eines Barockzeit-Pfarrers passt. 

 

Ein letztes Rätsel

Unklar bleibt jedoch auch nach der jüngsten Untersuchung, wieso der Leichnam überhaupt einbalsamiert wurde. Die angewandte Methode des „Ausstopfens“ ist zudem für eine Konservierung für längstens ein paar Monate angelegt. Was führte dazu, dass die Mumie über Jahrhunderte gut erhalten blieb? „Ganz ohne Zufall, vielleicht auch den göttlichen Zufall, ist es wohl doch nicht gegangen“, meint Oliver Peschel am Schluss der Präsentation. Es scheint jedenfalls, als wolle die Mumie ein letztes Rätsel für sich behalten. «  

Die Forscher lieferten auch eine Gesichtsrekonstruktion des Toten.
Die Forscher lieferten auch eine Gesichtsrekonstruktion des Toten.
© Lukas Fischer / 3D-Construct
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