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„Menschen im Blick behalten“

Kirche OÖ

Seit 15 Jahren ist Severin Lederhilger Generalvikar der Diözese Linz. Im Gespräch mit der KirchenZeitung gibt der Kirchenrechtsprofessor Einblick in seine Aufgaben und seine Erfahrungen – auch mit Blick auf die Herausforderungen durch die Corona-Krise und auf die Zukunft der Diözese.

Ausgabe: 37/2020
08.09.2020
- Heinz Niederleitner
Severin Lederhilger ist Prämonstratenser Chorherr des Stiftes Schlägl, Professor für Kirchenrecht an der Katholischen Privatuniversität – und seit 15 Jahren Generalvikar der Diözese Linz.
Severin Lederhilger ist Prämonstratenser Chorherr des Stiftes Schlägl, Professor für Kirchenrecht an der Katholischen Privatuniversität – und seit 15 Jahren Generalvikar der Diözese Linz.
© kiz/Nie

Was waren und sind nach Ihrer Erfahrung in Ihrem Amt die wichtigsten Herausforderungen der Diözese?
Severin Lederhilger:
Ich habe nun schon mehrere Zukunftsprozesse der Diözese mitgestalten dürfen. Die Aufgabe der Seelsorge stand dabei stets im Zentrum, insbesondere die dafür notwendige Zusammenarbeit mit Menschen: als Haupt- und Ehrenamtliche, in neuen Diensten, zum Beispiel in Seelsorgeteams, als Pfarrassistent/innen oder Pfarrmoderator und andere. In der Diözese Linz wollen wir möglichst viele Menschen an der Glaubensverkündigung beteiligen. Und wir arbeiten heute daran, das Zusammenspiel größerer Handlungsräume über bisherige Pfarrgrenzen hinaus weiterzuentwickeln und gleichzeitig auf die kirchliche Beheimatung vor Ort zu achten.


Damit sprechen Sie den Zukunftsweg der Diözese an. Wo stehen wir da gerade und welche Auswirkungen hat die jüngste römische Instruktion zu Pfarrreformen darauf?
Lederhilger:
Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dem Kirchenrecht zu entsprechen. Die Instruktion ist eine Darstellung geltenden Rechts und betont zusätzlich einige Verfahrensnormen. Wir arbeiten derzeit an den Gesetzestexten für die geplante Reform, die wir von anderen Kirchenrechtlern begutachten lassen und die den Grundanliegen des bisherigen Reformprozesses entsprechen. Auf dieser Basis wird Bischof Manfred Scheuer eine Entscheidung treffen, ob er diesen Weg als gut für die Diözese ansieht.


Wie gehen wir damit um, dass Kirche künftig weniger Geld zur Erfüllung Ihrer Aufgaben zur Verfügung haben wird?
Lederhilger:
Indem wir uns gut überlegen, was unser Kirchesein ausmacht. Auch ein Kirchenbau ist ein Glaubenszeugnis und deshalb kann ich nicht sagen, wir renovieren keine Kirche mehr. Aber grundsätzlich investieren wir in Menschen, nicht in Steine. Deshalb hat die Seelsorge Vorrang.


Unter Seelsorge kann man sehr verschiedene Dinge verstehen. Was ist sie für Sie?
Lederhilger:
Seelsorge bedeutet, die Menschen in ihrer jeweiligen Situation, mit ihren Bedürfnissen, Sehnsüchten und Schwierigkeiten unbefangen ernst zu nehmen und ihnen die Botschaft des Evangeliums anzubieten. Mir gefällt das Wort „Gottesermöglicher“ von Martin Schleske: Christ/innen sollen die Menschen spüren lassen, dass Gott nahe ist, dass er an ihrer Seite ist und sie trägt. Seelsorge kann ich nicht professionell „machen“. Es gehört das Gebet und das Gottvertrauen dazu, zur richtigen Zeit die richtigen Worte und Zeichen zu finden – auch zur richtigen Zeit zu schweigen. Dabei hat Seelsorge viel damit zu tun, in dieser Welt zu stehen und mit dem vorhandenen Weltwissen gut umzugehen.


Gerade heuer spüren wir aber auch unser Nichtwissen – nämlich in Bezug auf die Corona-Pandemie. Wie war Ihre Erfahrung damit, als Entscheidungsträger mit einer unsicheren Datenlage umgehen zu müssen?
Lederhilger:
Es gehört zu einem Leitungsamt, manchmal auch Verantwortung für mögliche Fehlentscheidungen übernehmen zu müssen. Im Nachhinein weiß man immer mehr. Corona hat uns die menschliche Begrenztheit in Erinnerung gerufen. Vielleicht haben wir auch eine gewisse Fehlerfreundlichkeit gelernt, also es zu akzeptieren, wenn man selbst von einem Fehler betroffen ist, und umgekehrt auch auf Akzeptanz hoffen zu können. Was die Corona-Schutzmaßnahmen betrifft, bin ich ein Anhänger der Vorsicht. Das halte ich einerseits für sachlich notwendig. Andererseits müssen wir als Kirche auch jenen, die Angst haben, das notwendige Vertrauen vermitteln.


Mit Corona hat sich noch einmal deutlich gezeigt, dass das Amt des Generalvikars einen „Troubleshooter“, einen Problemlöser, verlangt. Was hat das mit den Gründen zu tun, die Sie bewogen haben, Priester zu werden?
Lederhilger:
Ich bin Priester und Ordensmann geworden: Als Prämonstratenser ist man typischerweise Pfarrseelsorger und steht doch in einer klösterlichen Gemeinschaft. Das ist für mich ideal, denn ich mache hier nicht einfach Schreibtischarbeit. In vielen Situationen, gerade auch bei Konflikten und Rechtsentscheiden, ist der seelsorgliche Aspekt wichtig. Neben der Gestaltungsmöglichkeit muss man manchmal auch Dinge auf sich nehmen und für andere einstehen. Auch das ist ein priesterlicher Dienst. Dabei ist es für mich entscheidend, das aus der Gemeinschaft meines Ordens und mit der Unterstützung kompetenter Mitarbeiter zu tun. Denn ich hätte dieses Amt nicht angenommen, wenn ich nicht um diese Mitarbeiter gewusst hätte. «

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