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„Gegenwart“ – das ist mein liebster Name für Gott

Kirche OÖ

Die Corona-Pandemie erschüttert viele Menschen. Sr. Huberta Rohrmoser, Marienschwester vom Berg Karmel, erzählt, was ihr Kraft und Halt im Leben gibt.
 

Ausgabe: 48/2020
24.11.2020
Sr. Huberta Rohr- moser ist als Exerzitien- leiterin und als geistliche Begleiterin weithin bekannt. Sie lebt in der Gemeinschaft der Marienschwestern in Erla bei St. Valentin.
Sr. Huberta Rohr- moser ist als Exerzitien- leiterin und als geistliche Begleiterin weithin bekannt. Sie lebt in der Gemeinschaft der Marienschwestern in Erla bei St. Valentin.
© Schruf

„Mir persönlich gibt den tiefsten Halt die Beziehung Gottes zu uns: nicht so sehr meine Beziehung zu ihm, die immer wieder einmal wackelig ist, sondern die Beziehung Gottes zu uns. Damit verbinde ich das feste Vertrauen, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt. Papst Franziskus betont das auch in seinen Ansprachen. Von ihm stammt der schöne Satz: ‚Was alle Menschen verbindet, ist, dass Gott uns bedingungslos will und ja sagt zu uns.’ 
In dieser Überzeugung werde ich durch meinen Gebetsweg gestärkt und gestützt: durch das kontemplative Jesusgebet nach Franz Jalics. Es gehört zu meinem Tagesablauf.  Das ist das Erste in der Früh, im eigenen Zimmer, im Pyjama – eine Stunde Meditation.
Die Gebetsweise nach Jalics ist ein kontemplatives Beten. Es geht darum, dem gegenwärtigen Gott zu begegnen, indem ich lerne, in die Gegenwart zu kommen. Wenn ich in die Gegenwart komme, bin ich in der Gegenwart Gottes. Er ist ,Gegenwart‘. Das ist einer meiner liebsten Namen für Gott. P. Jalics greift in seiner Methode auf uraltes Menschheitswissen zurück, wo der Atem, ein Klangwort und die Hände eine besondere Rolle spielen. Man übt Schritte der Achtsamkeit ein, um in die Gegenwart zu kommen. Ich deute hier nur kurz einige Elemente von Jalics an: Die locker übereinandergelegten Hände helfen, sich zu sammeln und in die Tiefe zu kommen. Denn durch die Mitte der Hände fließt viel Lebenskraft. Beim Ausatmen lasse ich ein innerlich gesprochenes ‚Ja’ oder ‚Jesus’ mitfließen, beim Einatmen kann ich ‚Christus’ sagen. Dabei bleibt man. 
Und dann lausche ich. Das bringt in die Gegenwart. Dahinter steht das Bewusstsein, wie in allen Religionen der Welt, dass Gott in mir gegenwärtig ist, dass ich getragen bin und ihm vertrauen kann. Das kontemplative Gebet hilft mir, mich für das Vertrauen zu entscheiden – Vertrauen nicht als Gefühl, das verschwindet, sondern als Grundhaltung, die da ist, obwohl ich Angst habe und voller Sorgen bin.

 

Gott bleibt anders

Bei allem Vertrauen auf Gott dürfen wir aber schon unsere Probleme mit ihm haben. Denn vieles, was er zulässt, wenn zum Beispiel unschuldige Menschen erschossen werden wie vor drei Wochen in Wien, das verstehen wir bei bestem Willen nicht. Da können wir uns plagen, wie wir wollen, das geht mit dem liebenden Gott nicht zusammen. Ich bin mir sicher und ich praktiziere das auch, dass man mit Gott schimpfen darf und ihm sagen: ,Ich versteh dich nicht.‘ Aber ich kann mich dafür entscheiden, ihm zu vertrauen – ins Dunkel hinein.
Beim Vertrauen helfen mir Menschen, die ihr Leben aus dem Glauben heraus gut bewältigt haben, wie  Teresa von Avila.  Oder, um zwei Zeitgenossen zu nennen: Bruder David Steindl Rast und Richard Rohr. 

 

In der Stille wächst Vertrauen

Ich weiß, dass die wenigsten eine Stunde am Tag in die Gegenwart gehen können, ich weiß aber auch, dass jede stille Minute wertvoll ist. Sich fünf Minuten vor eine brennende Kerze zu setzen und zu sagen ,Gott, du bist da und ich bin da‘, ist kostbar.  Jede Minute in der Gegenwart ist eine wertvolle Zeit, erholsam und ein Grund, auf dem Vertrauen wachsen kann.“«

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