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Pax Christi

Gedenken zum 79. Todestag von Franz Jägerstätter

Kirche OÖ

Pax Christi Österreich lud zum internationalen Jägerstätter-Gedenken ins oberösterreichische St. Radegund. 

11.08.2022
- kathpress / ame
Grab von Franz und Franziska Jägerstätter in St. Radegund nach der Lichtfeier
Grab von Franz und Franziska Jägerstätter in St. Radegund nach der Lichtfeier
© Martin Pilgram

Im Zeichen der Erinnerung an den seligen Franz Jägerstätter (1907-1943) sowie an P. Franz Reinisch (1903-1942), die beide von den Nationalsozialisten ermordet wurden, stand am Dienstag eine Gedenkfeier im oberösterreichischen St. Radegund.

 

Rund 100 Gäste aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien waren der Einladung von Pax Christi in den Geburtsort Jägerstätters aus Anlass seines 79. Todestages gefolgt. Unter den Teilnehmenden waren Jägerstätter-Töchter Maria Dammer, Aloisia Maier und Rosalia Sigl sowie weitere Familienmitglieder, Andreas Schmoller und Verena Lorber vom Franz und Franziska Jägerstätter Institut der KU Linz, die Linzer Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl und andere.

 

Franz Jägerstätter

 

Der Innviertler Landwirt und Familienvater Franz Jägerstätter hatte sich aus Glaubensgründen geweigert, mit der Waffe für das Nazi-Regime in den Krieg zu ziehen. Daraufhin wurde er vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel hingerichtet. Janisch wurde etwa ein Jahr zuvor, am 21. August 1942, mit demselben Fallbeil, durch das auch Franz Jägerstätter starb, hingerichtet. Seine Urne ist in Schönstatt begraben.

 

 

In einem Vortrag im Pfarrheim Tarsdorf zog der bayrische Franz Reinisch-Forscher Franz Josef Tremer Parallelen zu Jägerstätter und bezeichnete die beiden Märtyrer als "Brüder im Glauben". Beide hatten aus ihrem Glauben heraus den Dienst an der Waffe verweigert und sind dafür hingerichtet worden. Anhand der Biografie Reinischs zeigte Tremer auf, wie früh dieser bereits die wahren Absichten des NS-Regimes durchschaut hatte: "Seine Lebensentscheidung kommt in Konflikt mit der Politik und wird als Wehrkraftzersetzung angesehen. So wird die Theologie von Franz Reinisch politisch-praktisch."

 

1942 wurde Reinisch - zuvor bereits inhaftiert - in das NS-Gefängnis in Berlin-Tegel gebracht. Dort kam er in Kontakt mit Gefängnispfarrer Heinrich Kreutzberg, der später auch Franz Jägerstätter begleiten sollte. Kreutzberg habe Janisch bis zu dessen Abreise am 11. August zum Hinrichtungsort nach Brandenburg/Havel begleitet, so Tremer. Die Gefängnisnotizen wurden später in zwei Bändchen herausgegeben: "Im Angesicht des Todes - Tagebuch aus dem Gefängnis" und "Geheimnis der gekreuzigten Liebe - Meditation in der Gefängniszelle".

 

Während Franz Jägerstätter 2007 seliggesprochen wurde, steht bei Reinisch eine Seligsprechung noch aus. In den 1990er-Jahren begann ein Seligsprechungsprozess in Augsburg unter Bischof Josef Stimpfle, der dann von dessen Nachfolger aufgegeben wurde. Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess feierlich eröffnet; inzwischen liegen die Akten in Rom.

 

 

Neues Schriftstück Jägerstätters entdeckt

 

Neben dem Vortrag umfasste das Gedenken auch eine Fußwallfahrt von Tarsdorf nach St. Radegund und eine dortige Andacht. Anschließend berichtete der Leiter des Jägerstätter-Instituts, Andreas Schmoller, über ein jüngst gefundenes Jägerstätter-Schriftstück, das am 20. Mai 2022 im Rahmen der Langen Nacht der Forschung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden war.

 

Das Dokument könnte eines der letzten Texte darstellen, den Jägerstätter vor der Verhaftung am 2. März 1943 verfasste. Das Schriftstück selbst ist undatiert und enthält keine Verfasser- und Adressatenangaben.

 

In dem Text reflektiert Jägerstätter darüber, wie er zur Idee der Wehrdienstverweigerung kam. Für Jägerstätter-Biografin Erna unterstreiche Jägerstätter in dieser Aufzeichnung die spirituelle Dimension seiner Entscheidung und gebe damit detaillierter als an anderen Stellen die inneren Kämpfe wieder, die zu seiner Verweigerung des Kriegsdienstes in der Deutschen Wehrmacht geführt hätten.

 

Den abschließenden Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche St. Radegund feierte Johann Holzinger, Propst des Stiftes St. Florian, mit den Teilnehmenden. Schlusspunkt des Gedenkens war die Lichtfeier am Grab von Franz und Franziska Jägerstätter. 

 

Grab von Franz und Franziska Jägerstätter in St. Radegund nach der Lichtfeier

 

Eder-Cakl: Bis heute geht Kraft von Jägerstätter aus

 

An dem Gedenken nahm auch die Linzer Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl teil. Für sie sei es wichtig, immer wieder neue Aspekte und Zusammenhänge wie heuer jenen über die Parallelen zwischen Jägerstätter und Reinisch oder auch jenen des neuen Schriftstücks zu erfahren, berichtete Eder-Cakl im Gespräch mit Kathpress im Nachgang des Gedenkens.

 

Auch begrüßte die Pastoralamtsdirektorin, dass Jägerstätter bis heute auch viele junge Menschen anspreche: Eine größere Gruppe junger erwachsener Pilgernder hatte an dem Gedenken teilgenommen. "Es ist immer wieder schön, dass sich neue Leute darauf einlassen", unterstrich Eder-Cakl - und sie betonte die "Kraft, die noch heute von Jägerstätter ausgeht". Zudem zeigte sie sich erfreut über das "Miteinander von nah und fern" mit Jägerstätters Familie, den Menschen aus der Pfarre und den teils international angereisten Gästen. Sie zitierte aus der Predigt von Propst Holzinger, der den Bogen allgemein über Märtyrer spannte: "In Krisenzeiten scheint oft das Licht der Märtyrer noch einmal heller."

 

>> Aktuelle Reportage zum Wirkungsort von Franz und Franziska Jägerstätter: In der Spur des Gottvertrauens

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