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Inhalt:
Dechant Gert Smetanig im KirchenZeitungs-Gespräch

„Es bringt nichts, auf Rom zu warten“

Kirche OÖ

Das Dekanat Braunau steht diese Woche durch den Besuch der Diözesanleitung im Fokus. Die KirchenZeitung hat mit Dechant Gert Smetanig über den aktuellen Reformbedarf gesprochen. 

Ausgabe: 26/2022
28.06.2022
- Paul Stütz
Gert Smetanig ist Dechant von Braunau. Im Zuge der Diözesanreform wird er ab 2023 als Pfarrer die Gesamtleitung aller 14 Pfarrteilgemeinden der Pionierpfarre innehaben.
Gert Smetanig ist Dechant von Braunau. Im Zuge der Diözesanreform wird er ab 2023 als Pfarrer die Gesamtleitung aller 14 Pfarrteilgemeinden der Pionierpfarre innehaben.
© Pfarre

Dechant Gert Smetanig erklärt, wieso die Reform der Pfarren sinnvoll ist, der Zugang zu den Weiheämtern dennoch überdacht werden muss und die Diözese Linz sich trauen sollte, einen bahnbrechenden Weg zu gehen. Das Diakoninnenamt sollte jedenfalls vor allem den raschen Übergang auf dem Weg zu Priesterinnenweihe bedeuten. 
 

Was ist typisch für das Innviertel, für die Kirche in und rund um Braunau, die derzeit durch die Visitation der Diözesanleitung im Fokus steht?


Gert Smetanig: Wir sind ein bunter Haufen in unserem Dekanat, hier findest du alle Strömungen und das finde ich positiv, denn damit sprechen wir alle Gruppen an. Von den sehr frommen bis zu liberalen sind alle vertreten. Alle sind wichtig, das ist eine Herausforderung und Bereicherung. 

 

Das Dekanat Braunau ist Pionierpfarre und stellt somit als erstes auf das neue System der Diözese Linz um (mehr dazu siehe unten). Was hat diesen Schritt notwendig gemacht?


Smetanig: Es ist die beste Möglichkeit, um in den kommenden Jahren zu garantieren, dass die Seelsorger nicht überlastet werden und Kirche vor Ort Zukunft hat. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass es nach der Umstellung in fünf Jahren wieder ein Update für die Diözese Linz braucht. Wir kommen nicht an den zentralen Reformfragen vorbei: Wir müssen die Zugänge zu den Weiheämtern überdenken. Denn wenn du kaum noch Priester hast, funktioniert auch das neue Modell irgendwann nicht mehr. Wir werden in den nächsten fünf Jahren sehen, dass es schwierig wird, überall geeignete Pfarrer für die neuen Pfarren zu finden. 

 

Wie wird die Kirche in Oberösterreich dann in fünf bis zehn Jahren aussehen?


Smetanig: In zehn Jahren schaut die Kirche in Oberösterreich ganz anders aus. Ich traue mir zu sagen: Wir müssen jetzt handeln, sonst fahren wir mit Vollgas gegen die Wand. Wir müssen schon vorher Bremsvorgänge einleiten. Ich habe mich sehr mit der lateinamerikanischen Kirche auseinandergesetzt. Dort sind die Reformen von der Basis ausgegangen, die haben nicht auf eine Order aus Rom gewartet. 


Wieso sagen wir nicht als Diözese Linz, wir gehen einen bahnbrechenden Weg und zeigen den anderen, wie mutig wir sind? Wobei man sagen muss, dass wir eh in vielen Bereichen schon mutig sind. Es bringt jedenfalls nichts, die Hände zu verschränken und auf Rom zu warten. Da wird nix passieren, da werden wir alle alt und grau. Meine Motivation Priester zu werden war es, Kirche zu verändern und das selbst zu erleben. Mittlerweile bin ich schon über 50 und die Zeit rennt.


Zwar nicht bei den Priestern, aber bei den ständigen Diakonen, bei denen im Juni wieder acht aus Oberösterreich geweiht wurden, gibt es einigen Zulauf. Stimmt das optimistisch?


Smetanig: Aber leider können die nicht alles machen, sie dürfen weder die Krankensalbung spenden noch die Eucharistie feiern.


Das heißt dann auch, dass es nicht ausreichend ist zu sagen, wir weihen Frauen künftig zu Diakoninnen?


Smetanig: Bei Frauen als Diakoninnen sehe ich das Amt so wie bei uns Priestern als Übergangsamt. Du kannst Frauen nicht gleich zu Priesterinnen weihen, sondern du musst die Zwischenstufe haben, dass sie ein Praktikum in einer Pfarrgemeinde machen und dann zu Priesterinnen geweiht werden.
Wie lange müssten Frauen dann auf die Priesterinnenweihe warten?
Smetanig: Nicht länger als wir Männer, wo ein halbes Jahr für die Dauer des Diakonats ausreichend ist.


Wie passiert derzeit die Umstellung in den einzelnen Pfarrgemeinden im Dekanat Braunau?


Smetanig:  In jeder Pfarrgemeinde, die nachher Teilgemeinde heißen wird, muss ein Seelsorgeteam nominiert werden. Wir haben schon noch Schwierigkeiten zu meistern, weil sich manche diese Aufgabe nicht zutrauen. Wir wollen aber auf jeden Fall neue Leute gewinnen, die bisher kaum Aufgaben in den Pfarren haben. 


Was ist mit dem Namen für die neue Pfarre, wie wird dieser bestimmt?


Smetanig: Jede Teilgemeinde kann maximal zwei Vorschläge einsenden, und aus diesem Pott wählen wir im Herbst den neuen Namen. Vorgabe ist, dass aus dem Dekanat Braunau nicht die Pfarre Braunau wird, weil das zu Verwechslungen führen würde. Es kann etwas sein, das für die Region typisch ist. Außerdem wollen wir eine Art Schutzpatron finden, der für das Innviertel passt. Scherzhaft gesagt, vielleicht ein Heiliger mit einem harten Schädl.

 

Werden Sie durch die Umstellung auf das neue System in Ihrer Funktion als Pfarrer für das gesamte Gebiet umziehen? 


Smetanig: Nein, ich bleibe wohnhaft in Mauerkirchen. Klar ist, dass ich künftig noch mehr in der Region unterwegs sein werde. In den Pfarrteilgemeinden, in denen ich bisher Pfarrer bin, werde ich dafür weniger präsent sein, wie es die Menschen vielleicht gewohnt sind. «
 

 

Zur Sache


In der Diözese Linz wird es bis 2027 statt 486 Pfarren in 39 Dekanaten 39 Pfarren geben, die neu organisiert werden. Das Dekanat Braunau setzt schon jetzt als eine von fünf Pionierpfarren die Strukturreform um. Die bisherigen Pfarren werden als Pfarrteilgemeinden selbstständig bleiben und gleichzeitig Teil der neuen Pfarre.  


An der Spitze dieser neuen Pfarren steht ein Dreierteam aus Pfarrer, Pastoral- und Verwaltungsvorstand, wobei dem Geistlichen die Gesamtleitung obliegt.

 

Im Falle Braunaus ist dies Gert Smetanig. Festgelegt werden muss unter anderem ein neuer Name für die Pfarre. Außerdem werden Mitglieder für die Seelsorgeteams in den Pfarrteilgemeinden und für den pfarrlichen Pastoralrat (aus den Pfarrgemeinderäten) gesucht.

 

 

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