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Das Stift Schlägl als Vorbild

Kirche OÖ

Seit Gründung des Stiftes vor 800 Jahren gestalten die Schlägler Chorherren die Region des Oberen Mühlviertels mit. Eine Expertenrunde diskutierte beim „Dialog Stift Schlägl“ Zukunftsperspektiven für den ländlichen Raum.
 

Ausgabe: 25/2019
18.06.2019
- Josef Wallner
© KIZ/JW (2)

Das Obere Mühlviertel darf man nicht krankreden. Der Bezirk Rohrbach hat mit 1,5 Prozent die niedrigste Arbeitslosigkeit in ganz Österreich und seit 2015 wurden 500 Firmen gegründet. Aber man darf die Augen nicht vor den Problemen verschließen, die auch diesen – nicht schlecht situierten – ländlichen Raum belasten: Gemeinden mit abnehmender Bevölkerung, unattraktiver öffentlicher Verkehr und rapider Rückgang der bäuerlichen Betriebe. Der langjährige Landwirtschaftskommissar der Europäischen Union, Franz Fischler, warnte bei der Podiumsdiskussion „Dialog Stift Schlägl“ davor, die Herausforderungen beiseite zu schieben, weil aktuell keine drängende Not bestehe. Die Prognosen seien alarmierend: Innerhalb der nächsten 15 Jahre werde sich in der Europäischen Union die Bevölkerung am Land halbieren. Sepp Rottenaicher plädierte dafür, als Antwort auf die Herausforderungen die Selbsthilfekräfte der Region zu stärken, nahm aber auch die Politik in die Pflicht: „Die Politik hat für gleichwertige Lebensverhältnisse aller Bewohner zu sorgen, nicht nur für die Stadtbevölkerung. Bildungszentren in den ländlichen Räumen sind dazu der Schlüssel“, so Rottenaicher. Das hört natürlich der Direktor der Bioschule Schlägl, Johann Gaisberger, gerne. Er sieht in der Schule einen Dienstleistungsbetrieb für die Region, der den Landwirten hilft, den Übergang in eine lebensfähige Zukunft zu gestalten. Von 1995 bis 2018 gingen 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe des Mühlviertels verloren. „Die Agrarpolitik reagiert zu viel, hat aber zu wenig Visionen“, betont Gaisberger: „Wir müssen die jungen Leute für die Bildung begeistern“, so Gaisberger.

 

Nicht den Jammerern Platz geben

„Die ländliche Entwicklungspolitik darf nicht nur Landwirtschaftspolitik sein, sonst machen wir uns etwas vor“, mahnt Fischler. Und genau in diesem Bereich gehe die EU den verkehrten Weg: In der kommenden Budgetperiode sollen die Gelder für ländliche Entwicklung um 15 Prozent gekürzt werden, die Prämien für die Flächen aber nur um 5 Prozent: „Da haben sich in Brüssel offenbar wieder die Länder mit den großen Landwirtschaften durchgesetzt.“ Fischler ruft aber dazu auf, das Land nicht den Jammerern zu überlassen und zu warten, bis dem Staat etwas einfällt: „Das geht schief. Nehmen Sie Ihr Schicksal in die Hand. Im Mühlviertel sind riesige Chancen da.“ Als Beispiel spricht er Reparaturmaßnahmen an, die darauf abzielen, die Fehler der vergangenen Generationen wieder auszumerzen. So könnten etwa Landwirte den Humusgehalt in den Böden erhöhen, diese Maßnahmen in den Handel mit CO²-Zertifikaten einbringen und damit Einkommen erzielen. Für Fischler hängt der Erfolg allen Einsatzes vor allem aber am Miteinander. Hat es bisher geheißen, dass in der Evolution nur die Stärksten überleben, sei inzwischen bewiesen: Jene, die Kooperationen eingegangen sind, haben sich durchgesetzt. Die Fähigkeit zum Miteinander ist am Land stärker vorhanden als in den städtischen Räumen, ist Fischler überzeugt: „Diese Stärke müsst ihr ausspielen.“ Und als Vorbild verwies er auf das Stift: „Wenn man Kooperation lernen will, sollte man mit dem Stift Schlägl reden. Die Chorherren haben das Miteinander schon 800 Jahre lang eingeübt.“ «  

 

 

Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler (oben), der Direktor der Bioschule Schlägl Johann Gaisberger und Sepp Rottenaicher (unten), Experte für Entwicklung des ländlichen Raumes, waren am 12. Juni 2019 auf Einladung des Stiftes Schlägl im Vereinshaus Aigen-Schlägl zu Gast.    

© KiZ/JW
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