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Himmelfahrtsmoschee

„Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“

Glaube

Auf dem höchsten Punkt des Ölbergs in Jerusalem steht die „Himmelfahrtsmoschee“. Es ist heute ein islamisches Heiligtum, das seinen Ursprung in der Aufnahme Jesu in den Himmel hat, wie beim Apostel Lukas zu lesen ist.

Ausgabe: 19/2021
11.05.2021
- Josef Wallner
 Die Himmelfahrtsmoschee (rechts) am Ölberg.
Die Himmelfahrtsmoschee (rechts) am Ölberg.
© Röwekamp

Im Neuen Testament gibt es unterschiedliche Beschreibungen dessen, was nach der Auferweckung Jesu geschah und was diese bedeutet. In den Paulusbriefen als den  ältesten Texten des Neuen Testaments ist von der Erhöhung Jesu die Rede, in die auch alle, die an ihn  glauben, einbezogen  sind. „Die abstrakte Theologie von der Erhöhung braucht offensichtlich eine erzählbare Geschichte. (...) Sie braucht einen Ort, wo der Abschied stattfand, und eine Zeit, zu der man diesen wieder und wieder feiern konnte“, schreibt Max Küchler im seinem Studienreiseführer zu Jerusalem. Lukas hat in seinem Evangelium (Lk 24,50–33) und in der Apostelgeschichte (Apg 1,9–13) diese Lücke geschlossen und gibt der Aufnahme Jesu in den Himmel einen Ort: die Spitze des Ölbergs. Dort wurde gegen Ende des 4. Jahrhunderts eine Kirche errichtet, die eine Reihe von Umgestaltungen erfuhr. Das heutige Gebäude (Foto) ist eine Moschee. Der untere Teil bis zum ersten Gesims stammt aus der Zeit der Kreuzfahrer, die in einer achteckigen Kapelle ohne Dach der Himmelfahrt Jesu gedachten. Als 1187 der islamische Herrscher Saladin Jerusalem eroberte, wurde das christlicher Heiligtum zu einer Moschee und überdacht. Vom ehemaligen Charakter des Gebäudes, das den Blick nach oben freigab, ist nicht mehr viel erhalten. Da aber Jesus im Islam als Prophet mit dem Namen Issa verehrt wird, ging das Heiligtum nicht unter, sondern hat auch eine muslimische Ortstradition begründet. Diese wurzelt im Koran, wo es in Sure 4 heißt: „Allah hat ihn zu sich erhoben. Allah ist mächtig und weise.“ Im Inneren der Moschee findet sich ein Stück freiliegender Felsen mit Unebenheiten, die Pilger als Fußspuren Jesu interpretieren. Ob diese eine stumme, aber doch deutliche  Antwort auf die Frage der Engel „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ sind? Vielleicht wollen die Fußabdrücke Christ/innen mahnen, nicht in die Luft zu schauen, sondern heute Jesus nachzufolgen, in seinen Spuren zu gehen.

 

Bildtext: Nur zu Christi Himmelfahrt dürfen die Christen auf dem Areal der Moschee Gottesdienst feiern. Den lateinischen (römisch-katholischen) Christen ist es als einziger Kirche gestattet, in der Moschee zu beten, die anderen Kirchen dürfen im Hof Gebetszelte aufschlagen.

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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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