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Inhalt:
Was Christ/innen heute vom Reformator Martin Luther über Maria lernen können

Mit Martin Luther Maria ehren

Glaube

Die Ablehnung der Marienverehrung gilt bis heute landläufig als Unterscheidungsmerkmal zwischen evangelisch und katholisch. Es lohnt sich aber, angeleitet von Superintendent Gerold Lehner, genauer auf dieses Urteil zu schauen.  

Ausgabe: 06/2022
08.02.2022
- Gerold Lehner
Ausschnitt aus einer Darstellung „Maria Heimsuchung“, die sich in der Sammlung des Stiftes Kremsmünster befindet: Gotische Tafelmalerei, Öl auf Holz, im oberösterreichisch-salzburgischen Raum um 1460 entstanden.
Ausschnitt aus einer Darstellung „Maria Heimsuchung“, die sich in der Sammlung des Stiftes Kremsmünster befindet: Gotische Tafelmalerei, Öl auf Holz, im oberösterreichisch-salzburgischen Raum um 1460 entstanden.
© Peter Böttcher, Institut für Realienkunde der Universität Salzburg

Dass die Reformation in OÖ um sich greift, zeigt sich exemplarisch an einem Konflikt in Steyr, im Jahr 1528. Dort beschwert sich der Abt, dass man das Lied „Salve regina“ abgeschafft habe; die Gegner sagen, man habe es nur gereinigt und „auf Christus gestellt“.

 

Die Gestalt der Maria wurde zum exemplarischen Konfliktpunkt und ist es bis heute geblieben. „Ihr glaubt‘s nicht an die Maria?!“ ist ein Satz, den man als Evangelischer oft zu hören bekommt. Doch bei Luther geht es nicht gegen Maria, sondern um die rechte Bestimmung des Verhältnisses von Mutter und Sohn. Bei der Hinwendung zu Maria darf der Sohn nicht aus dem Blick geraten, die Relationen müssen gewahrt bleiben: „Doch sollen wir die Mutter also loben und preisen, dass wir uns dies Kindlein, das sie geboren hat, aus den Augen und Herzen nicht hinweg reißen lassen, noch diesen Schatz, der uns geboren ist, geringer achten als die Mutter.“

 

Maria der Evangelien

 

Es ist die Maria der Evangelien, die in ihrem Glauben und ihrem Beispiel geehrt wird. So ist Maria für Luther das maßgebliche Beispiel der Demut: aufs Höchste begabt, vermag sie dennoch fröhlich zu dienen. Er interpretiert den Besuch Marias bei Elisabeth so, dass Maria dieser bei der Geburt und Pflege des kleinen Johannes beisteht und ihr hilft.

 

„Diese große Demut, die hier ist, daß dieses Mägdlein, welches Gottes Mutter ist und die größte Frau im Himmel und Erden, so gar aller Güter vergessen und so ein niedriges Herz haben kann, dass sie hingeht und sich nicht schämt, die Windeln zu waschen, das kleine Kindlein Johannes zu wischen und baden etc.“ Er stellt dieses Beispiel jenen Menschen gegenüber, die, kaum, dass sie etwas Besonderes haben (Geld, Gelehrsamkeit, Schönheit), hochmütig werden und auf andere herabsehen. Die Demut der Maria aber ist echt, denn sie verleugnet auch nicht, was ihr widerfahren ist: „Was Gott gegeben und geschenkt hat, das soll man bekennen und nicht leugnen. Man soll sagen: Gott Lob, der es gegeben hat!“

 

Maria – Doktorin der Theologie

 

Diese Maria achtet Luther hoch. Nicht nur, dass in seiner Sprache große Zuneigung mitschwingt, wenn er sie die „heilige Jungfrau“ und die  „zarte Mutter Gottes“ nennt. Er vermag in höchsten Tönen von ihr zu sprechen: „Maria ist das edelste Kleinod nach Christus in der ganzen Christenheit“, und mit dem Magnificat erweist sie „ihr Doktorat und ihre Meisterschaft und lehrt, wie man sich gegen Gott halten soll“. 

 

Besonnene Verehrung

 

Aber für ihn ist auch klar, es bedarf der Besonnenheit, dass man „den Namen der Maria nicht zu weit treibe“. Selbst wenn man sie Himmelskönigin nennt, möge man bedenken, dass nicht sie gibt und hilft, sondern allein Gott. Denn, so schreibt Luther, „was meinst du, dass ihr Lieberes begegnen mag, als dass du durch sie zu Gott kommst, dass du an ihr lernest auf Gott vertrauen und auf ihn hoffen? Sie will nicht, dass du zu ihr kommest, sondern durch sie zu Gott“.

 

In der Überlieferung findet sich der Hinweis, dass in Luthers Studierzimmer ein Marienbild hing. Das kann den nicht überraschen, der weiß, dass Maria für Luther ein Urbild des Glaubens verkörperte: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“  

 

Von Martin Luther lernen.

Glaubens-Impulse aus der Ökumene 
 Teil 4 von 4

 

 

Gerold Lehner ist seit 2005 Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. Oberösterreich.
Gerold Lehner ist seit 2005 Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. Oberösterreich.
© Privat
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