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Zum Herz-Jesu-Monat Juni

Gott hat ein Herz für die Menschen

Glaube

Herz-Jesu-Statuen und -Bilder sind aus künstlerischer Perspektive zumeist wenig anziehend. Die Frömmigkeit, die damit ausgedrückt ist, erscheint manchen veraltet. Doch befreit man das Herz Jesu vom Staub des Kitsches und Zuckergusses, stößt man auf die Mitte des Glaubens: Gott ist Liebe.

Ausgabe: 24/2020
09.06.2020
Eine Herz-Jesu-Darstellung, wie sie sich in ähnlicher Form in unzähligen Kirchen findet.
Eine Herz-Jesu-Darstellung, wie sie sich in ähnlicher Form in unzähligen Kirchen findet.
© KiZ/JW

Nach dem Marienmonat Mai gilt der Juni in der kirchlichen Tradition als der Herz-Jesu-Monat mit dem Herz-Jesu-Fest als Höhepunkt. Dies wird jeweils am dritten Freitag nach Pfingsten gefeiert, heuer am 19. Juni 2020. Das Fest fasst in einem verständlichen Bild zusammen, was Jesus Christus mit den Heilungen von Kranken, seiner Zuwendung zu den Ausgestoßenen und Sünder/innen sowie schließlich in der Hingabe seines Leben getan hat: Er hat gezeigt, dass er ein Herz für die Menschen hat.

 

Johannesbrief als Grundlage

Der kirchliche Feiertag heißt zwar im Messbuch ausdrücklich „Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu“ und stellt Jesus ins Zentrum, aber das Festgeheimnis weitet sich – ganz selbstverständlich – auf Gott, den Vater, hin. Sein Inhalt lässt sich nicht auf Jesus begrenzen. Die 2. Lesung der Messfeier im heurigen Lesejahr A macht das deutlich. Der Bibeltext aus dem ersten Johannesbrief zeigt die innige Verbindung von Vater und Sohn und fügt zusammen, was getrennt gar nicht zu denken ist. Der Lesungstext ist im Kasten rechts ausschnittsweise abgedruckt.

 

Programmschrift Benedikts XVI

Papst Benedikt XVI. hat den Vers 16 aus dem ersten Johannesbrief, den letzten Vers der Lesung des Herz-Jesu-Festes, zum Programm für sein Amt gemacht und dazu seine Antrittsenzyklika geschrieben. Sie beginnt mit den Sätzen: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bliebt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit angesprochen. Außerdem gibt uns Johannes in demselben Vers auch sozusagen eine Formel der christlichen Existenz: Wir haben die Liebe erkannt, die Gott uns gegeben hat und ihr geglaubt (vgl. 4,16).“ Seine Enzyklika ist auf großes Echo gestoßen, weil sie verständlich sagt, was Menschen suchen und sie bewegt: Dass sie geliebt werden und lieben können.

 

Auf die Liebe setzen

Besonders spricht den Papst der Satz an: „Wir haben der Liebe geglaubt.“ Er weist darauf hin, dass am Anfang des Christseins nicht irgendeine gescheite Idee steht, sondern die Begegnung mit einer Person – mit Jesus. Jesus gibt dem  großen Wort „Liebe“ Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus, erklärt der Papst. In Jesus geht Gott selbst der leidenden und verlorenen Menschheit nach bis zum Äußersten – bis zum Kreuz. Mit dem Blick auf das Kreuz führt der Papst seine Leser/innen zurück zum Ausgangspunkt seines Schreibens: Gott ist Liebe. Im Schauen auf Jesus „findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens“ (Abschnitt 12).

 

„Herz-Jesu-Sozialisten“

Alle Christ/innen sind aufgefordert – auch das gehört zur Botschaft des Herz-Jesu-Festes – nach ihren Möglichkeiten die Liebe zu leben. Das wird je nach Alter, Beruf, Gesundheit ganz unterschiedlich ausschauen. Auf einen der vielen Wege soll hier – mit Augenzwinkern – hingewiesen werden: In Deutschland wurden Anhänger der katholischen Soziallehre, vor allem Politiker vom Arbeitnehmerflügel der CDU, spöttisch in den Medien „Herz-Jesu-Sozialisten“ genannt. Der bekannteste Vertreter dieser Spezies war der erst kürzlich verstorbene Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm. Ihn hat die Bezeichnung Herz-Jesu-Sozialist“ nicht geärgert, sondern er hat sie mit Stolz getragen und in diesem Geist Sozialpolitik zu gestalten versucht.

 

Lesung zum Herz-Jesu-Fest

(...) Wer nicht liebt,
hat Gott nicht erkannt;
denn Gott ist Liebe.
Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns,
dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat,
damit wir durch ihn leben. (…)
Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt
und gläubig angenommen.
Gott ist Liebe,
und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott
und Gott bleibt in ihm.
(1 Joh 4,7–16; gekürzt)

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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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