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Der „Bauernherrgott“ und die "Leonhardiritte"

GLAUBENS_GUT

Rund um den Festtag des heiligen Leonhard am 6. November findet eine Vielzahl an „Leonhardiritten“ statt.

Ausgabe: 43/2023
24.10.2023
- Josef Wallner
Leonhardiritt in Weißenkirchen im Attergau: Der früheste Hinweis auf einen solchen Ritt findet sich für das Jahr 1711.
Leonhardiritt in Weißenkirchen im Attergau: Der früheste Hinweis auf einen solchen Ritt findet sich für das Jahr 1711.
© Alois HUEMER

An die hundert listet die Internet-Enzyklopädie Wikipedia vor allem im bayerisch-süddeutschen Raum auf, aus Österreich kommen noch etwa 15 bis 20 dieser Veranstaltungen dazu, die regelmäßig – aber nicht immer jährlich – durchgeführt werden. 

 

Zum Patron der Rinder und Pferde wurde der heilige Leonhard aufgrund eines Missverständnisses. Leonhard – so die legendarische Biografie – hat sich zeit seines Lebens bei den Merowingerkönigen des 6. Jahrhunderts für die Freilassung von Gefangenen eingesetzt.

 

Durch sein Gebet seien sogar auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen. So wurde eine Kette mit Handschelle zum Attribut Leonhards, die man aber bald als Kette zum Anbinden von Rindern interpretierte. Aus dem Befreier der Gefangenen wurde ein Heiliger, unter dessen Schutz die Bauern ihre Rinder und Pferde stellten. In manchen Gebieten Bayerns und Schwabens war die Verehrung Leonhards so groß, dass er sogar „Bauernherrgott“ genannt wurde.

 

Die ältesten Zeugnisse einer Leonhardifahrt – mit Pferdegespann und Kutsche – finden sich Mitte des 15. Jahrhunderts in Bayern. Mit zunehmender Mechanisierung in der Landwirtschaft verlor der Brauch der Leonhardiritte und -kutschenfahrten an Bedeutung, hat aber in den letzten Jahrzehnten wieder eine Renaissance erlebt. 


Dabei werden die Leonhardiritte und die häufig damit verbundene Pferdesegnung zumeist von Reitvereinen organisiert und kaum mehr von den Landwirten. Die glänzend gestriegelten und prächtig geschmückten Pferde sind auch ein touristisches Ereignis. 
 

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