Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
Der Heilige Geist – eine der drei göttlichen Personen. Damit hätten wir die Frage bereits beantwortet. Oder doch nicht?
Schon Karl Rahner hat darauf hingewiesen, dass die Rede von den drei Personen der göttlichen Dreifaltigkeit heute problematisch ist. Wenn wir heute an eine Person denken, dann haben wir einzelne Menschen mit ihrem eigenen Bewusstsein, ihrer Freiheit und ihrer unverwechselbaren Identität vor Augen. Diese unterscheiden sich voneinander und stehen einander gegenüber. Besteht Gott aus drei Personen in dieser Form? Nein, sagte Rahner, dann würden wir das Dogma der Dreifaltigkeit falsch verstehen.
Im Wesentlichen bedeutet es, an einen Gott in drei Personen zu glauben. An einen Gott, der in sich Beziehung ist, die Leben und Gemeinschaft stiftet. Mit „Vater“ ist die sich verschenkende Liebe gemeint, die Leben hervorbringt. Im Alten Testament werden auch Bilder mit weiblichen und mütterlichen Zuschreibungen verwendet, um diese schöpferische Kraft und Liebe Gottes zum Ausdruck zu bringen. Der „Sohn“ ist der, der nicht geschaffen wurde, sondern gezeugt ist. Der, dessen Existenz ein Geschenk ist, der sich selbst empfängt und seine Existenz entfaltet, indem er sich wiederum verschenkt. Der Heilige Geist ist das Band der Liebe zwischen beiden – dem Schöpferischen und dem Weitergebenden.
Bereits in der Schöpfungserzählung in Genesis 1 wird die Kraft Gottes, die weibliche Ruach, erwähnt, die über den Urfluten schwebt. In den weisheitlichen Texten des Alten Testaments wird von der – wiederum weiblichen – Weisheit Gottes gesprochen. Sie wird oft als göttliche Wirklichkeit gedeutet, die auch mit dem Heiligen Geist zum Ausdruck gebracht wird. Daher gefällt es mir, vom Heiligen Geist als der göttlichen Geistkraft zu sprechen, die Leben schenkt und Beziehung stiftet.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>