Ein attraktiver Name für meine Eltern noch 1954 – allerdings schon etwas spät. Während meiner Jugendzeit gar nicht cool, denn mit dem Hl. Aloisius von Gonzaga waren Schlagworte verbunden, die uns Jugendliche nicht ansprachen. Die Volksfrömmigkeit trieb es so weit, Aloisius als keuschen Unschuldsengel zu zeichnen, der Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei. Eine überlieferte Situation hat ihn für mich ins „normale“ Leben geholt: Es war Krieg und gerade Siesta, Mittagsruhe. Luigi (Aloisius) strolchte mit einem Freund durch das Heerlager und feuerte eine Kanone ab – und alle Ordnung kam durcheinander. Das hat mir gefallen! Heute? Der Blick ist realistischer: Aloisius war kein fern aller Realität stehender Mensch. Mir gefällt an der Darstellung auf dem Altar in Mantua die Krone, die am Boden liegt, weil er die ihm zustehende weltliche Macht als Fürst ausschlägt und die Rolle eines Dieners übernimmt. Als solcher engagiert er sich bei einer Pestepidemie in Rom, steckt sich mit der Krankheit an und stirbt schon mit 23 Jahren.