In den vergangenen Tagen wurde viel darüber diskutiert, was sich in den ersten hundert Tagen des neuen Papstes in der Kirche alles verändert habe. Ob der frische Wind, den auch heimische Bischöfe gerne zitieren, in den oberen Kirchenetagen wirklich so gewollt ist, scheint mehr als fraglich zu sein. In den jüngsten Erklärungen der österreichischen Bischöfe ist dieser Aufwind jedenfalls nicht wirklich abzulesen.
Auch die am neuen Papst wiederholt positiv hervorgehobene „Bescheidenheit“ wird eher als persönlicher Gestus des Argentiniers gesehen, denn als theologische Aussage über seine Sicht des Amtes – als jemand, der mitten in seinem Volk steht und nicht über dem Volk. In diesem Sinne wäre es durchaus beispielhaft, den geplanten Zukunftsdialog der Kirche Österreichs als gemeinsames Projekt unterschiedlicher, gleichberechtigter Akteure zu organisieren – und nicht als Projekt der Bischofskonferenz, an dem andere „moderierend“ und diskutierend teilnehmen können (sollen).
Vor 30 Jahren, im September 1983, fand in Österreich der letzte große kirchliche Prozess statt, der in gemeinsamer Verantwortung von Laien, Ordensleuten, Priestern und Bischöfen geplant und getragen wurde. Und trotz manch harter Auseinandersetzungen auf dem Weg blieb dieser Katholikentag das gemeinsame Projekt sehr, sehr vieler Engagierter. Was später kam – von der Wallfahrt der Vielfalt, dem mitteleuropäischen Katholikentag oder dem Dialog für Österreich –, kam von „oben“ oder wurde – trotz manch dialogischer Sternstunden – von „oben“ reguliert bzw. schubladisiert. 100 Tage Franziskus sind auch ein Aufruf an uns in Österreich.