Papst Johannes Paul II. hat 1988 das apostolische Schreiben über „Die Würde und Berufung der Frau“ verfasst. Fünfundzwanzig Jahre danach sprechen vier Frauen über ihre Vorstellung von der „Rolle der Frau in der Kirche“.
Seit ihrem Eintritt in den kirchlichen Dienst vor fast dreißig Jahren ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche ihr großes Anliegen, sagt Mag. Sissy Kamptner. Die Pfarrassistentin von Steyr-Christkindl und Vorsitzende der Diözesanen Frauenkommission stellt aber nüchtern fest: „Seither hat sich nichts verändert, was die offizielle Rolle der Frauen betrifft.“ Inzwischen haben Frauen neue Dienste wie Pfarrassistentin in der Kirche übernommen. Das hat zur Folge, dass die Kluft zwischen kompetenten Frauen in der Kirche und der offiziellen Stellung der Frau in der Kirche nicht mehr vermittelbar ist, so Kamptner. Ihr Glaube sagt ihr, dass Jesus die Ungleichheit, die sich im Ausschluss der Frauen von den Weiheämtern zeigt, nicht gewollt hat. Sie ist aber überzeugt: „Wenn die Kirche Jesus-näher wird, geht auch für die Frauen etwas weiter.“ Papst Franziskus macht ihr Hoffnung: „Er hat ein tiefes Gespür für Ungleichheit und Benachteiligung. Da könnten Änderungen kommen.“
Nicht auf oben warten
Ebenfalls auf Papst Franziskus weist Brigitte Gruber-Aichberger, Direktorin der Abteilung pastorale Berufe, hin. Der Papst sagte im Juli 2013 bei einer Pressekonferenz: „Man kann die Frau nicht auf die Rolle der Messdienerin oder der Caritas-Präsidentin oder Katechetin beschränken … Nein! Es braucht mehr, aber vertieft mehr, auch auf mystischer Ebene mehr.“ Gruber-Aichberger erinnert an die viele Frauen, die sich ehrenamtlich und hauptamtlich auf allen Ebenen – mit Ausnahme des Weiheamts – in der Kirche einbringen. Sie selbst ist in vielen Gremien die einzige Frau. Das sagt ihrer Überzeugung nach mehr über die Strukturen in der Kirche als über die Frauen aus. Eine erste und oberste Dringlichkeit besteht darin, die patriarchalen Strukturen in der Kirche so aufzubrechen, dass Leitungsämter in gleicher Weise für Männer und Frauen möglich sind. „Wir müssen die Ämter für Männer und Frauen lebbar gestalten. Damit können wir heute anfangen. Da müssen wir nicht auf die Zulassung der Frauen zu den Weiheämtern warten.“ Das Gleichstellungsprojekt der Diözese Linz ist für sie ein wichtiger Schritt in diese Richtung: „Frauen, die sich für frauengerechte und partnerschaftliche Strukturen in der Kirche einsetzen, sind keine Querulantinnen, sondern geben ein Glaubenszeugnis.“
Frauen zahlen die Zeche
Die Umweltreferentin der Diözese Linz Mag. Lucia Göbesberger macht auf den Zusammenhang von der Sorge um die Schöpfung und Geschlechtergerechtigkeit aufmerksam. Studien zeigen, dass Frauen mehr Bewusstsein für die Bewahrung der Schöpfung haben. Und sie tragen überdies die Hauptlast der Arbeit, Versorgung und Pflege, wenn Umweltschäden oder Katastrophen aufgearbeitet werden müssen.
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Nicht Rolle, sondern Wesen
Nicht von ihrer Rolle als Frau in der Kirche möchte Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl reden, sondern von ihrem Wesen als Frau, vom Sein, das jede Frau durchdringt. Der Generaloberin ist dabei eine Ordensheilige Orientierung: die Karmelitin Sr. Teresa Benedicta, besser bekannt als Edith Stein. Diese schreibt: „Der Eigenwert der Frau besteht im Wesentlichen in der besonderen Empfänglichkeit für das Wirken Gottes in der Seele.“ Die Fähigkeit, körperlich und geistig Leben empfangen, es schützen und pflegen und dadurch Mutter sein zu können, macht für Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl das Wesen der Frau aus. „Ich sehe mich als mütterliche Frau, obwohl ich keine eigenen Kinder habe.“
Charisma der Mütterlichkeit
Das Charisma der Mütterlichkeit möchte sie in der Kirche leben. Dabei gibt es keine niederen oder höheren Dienste, sondern unterschiedliche, betont sie nachdrücklich: „Wenn eine Frau in der Verkündigung tätig ist, hat das denselben Wert wie in der Küche.“ Das Priesteramt für die Frau ist für sie kein Thema: „Ich bin aber dankbar, dass sich Frauen damit beschäftigen.“ Im Blick auf Entscheidungen, die im Vatikan getroffen werden, sagt sie: „Wenn in Rom mehr Frauen tätig wären, täte das der Kirche gut.“ Sie findet es daher ermutigend, dass sich Papst Franziskus für mehr Leitungsverantwortung für Frauen ausgesprochen hat.