Die Religionslehrerin Marianne Penz aus Gutau hat schon viele Menschen in ihren letzten Stunden begleitet. Ein Gespräch über Anrufe mitten in der Nacht, die Bedeutung von Krankensalbungen und ihren neuen Blick auf das Leben.
Sie machen die Ausbildung zur Begräbnisleiterin, haben selbst aber schon viel Erfahrung in der Trauerbegleitung. Marianne Penz: Wenn niemand da ist in der Pfarre, oder wenn eine Familien eine persönliche Beziehung zu mir hat, rufen sie mich an: Kannst du kommen und uns helfen, bei uns liegt wer im Sterben? Das war schon öfter der Fall, dass ich in der Nacht aufgestanden bin, den Sterbenden die Kommunion gereicht habe, wenn es noch möglich war, und mit ihnen gebetet habe.
Sie leben schon lange in Gutau. Haben Sie die Leute durch die Trauerarbeit noch besser kennengelernt? Schon, denn das ist etwas sehr Persönliches, das viel Vertrauen braucht. Da ist was im Raum, da geht einer und ist noch da. Die Leute sind sehr dankbar, wenn man in den paar Tagen des Abschieds Zeit hat.
Was braucht ein gutes Trauergespräch? Hinhören, da sein. Es gibt so schwere Situationen, da braucht man zuerst den Mut, überhaupt hinzugehen. Dann einmal fragen, was sich die Angehörigen wünschen. Manchmal bin ich zuerst stumm, ohne Worte. Da ist man froh, wenn man Gebete weiß.
Versuchen Sie Vertröstungen zu vermeiden? Vertrösten will ich nicht, aber doch Trost geben und Hoffnung wecken, dass alles wieder gut werden kann in ganz anderer Form.
Wie geht die Pfarre mit Begräbnissen von Ausgetretenen um? Bis jetzt war das meistens so, dass diese Menschen ein normales Begräbnis bekommen. – außer wenn es den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen gibt, das nicht zu tun.
Hat jeder Mensch ein Begräbnis verdient? Ja, ich glaube jeder Mensch hat das Recht und ist das wert, ihm einen Abschied zu ermöglichen. Da fällt mir ein junger Mann ein, der zu mir gesagt hat. „Marianne, ich bin aus der Kirche ausgetreten. Wenn ich einmal stirb, halt mir bitte das Begräbnis. Du kennst mich, du weißt, wie ich bin und dass ich gläubig bin.“ Er hat das auch gesagt, weil er ein Motorradfahrer ist und mit einem Fuß im Grab steht.
Was haben Sie darauf geantwortet? Ja, gerne, aber ich wünsch dir, dass du 100 Jahre alt wirst.
Für viele Leute sind Allerheiligen und Allerseelen keine freudigen Anlässe. Wie sehen Sie das persönlich? Natürlich ist der Schmerz groß, wenn jemand in diesem Jahr jemanden verloren hat. Da wird man am Grab weinen. Trotzdem ist es generell kein Trauerfest, sondern ein Erinnerungsfest. So viel Licht, so viel Hoffnung ist da spürbar.
Laien dürfen Begräbnisse halten, aber nicht taufen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Nur am Amtsverständnis der Kirche. Wenn ich Wortgottesdienste oder ein Begräbnis leite, ist der nächste Schritt eigentlich die Taufe. Ich glaube, dass vieles in der Kirche sich öffnen müsste, was Beauftragungen zur Pfarrleitung betrifft, was Sakramente betrifft. Das ist ja bei der Krankensalbung dasselbe.
Krankensalbung dürfen Sie ja nicht machen. Ich nehme Weihwasser und segne die Hände. Es fließt dasselbe Göttliche. Wenn niemand da ist, ist es ja besser, wenn jemand kommt, der nicht Priester ist – und den Himmel fließend macht, wie ich sage.
Hat die Arbeit mit Sterbenden und Trauernden Ihren Blick auf das Leben verändert? Das Leben ist bedeutungsvoller und vielleicht noch tiefer geworden. Ich liebe das Leben.