In der NS-Zeit wurden in Steyr KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Bau von Luftschutzstollen gezwungen. Ihnen und allen Opfern der NS-Zeit gilt das Andenken, das der „Stollen der Erinnerung“ in der Anlage unter dem Schloss Lamberg pflegen will.
Raffaela Lorenzi ist die Tochter des Antifaschisten Cesare. Im KZ Steyr-Münichholz erlebte dieser im Mai 1945 das Ende des NS-Terrors – und starb dann an den Folgen der Torturen. Bei der Ausstellungseröffnung am 25. Oktober sprach Lorenzi Grußworte. Sie dankte – unter anderem Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr, das sich seit zehn Jahren für diese Erinnerungsstätte engagiert. Sie dankte auch den Steyrer/innen, „dass sie mit diesem Museum die Erinnerung diejenigen ehren, die hier gelitten haben und gestorben sind, und dass sie mitwirken, um eine Welt zu schaffen, in der sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholen“.
Steyrer Rüstungsindustrie
Die Steyrer-Werke waren einer der ersten Rüstungsbetriebe in der NS-Zeit, die gezielt KZ-Häftlinge für die Produktion eingesetzt haben. 1000 bis 2000 spanische, sowjetische, polnische, jugoslawische und französische Bürger sowie ab Herbst 1944 auch jüdische Häftlinge waren im KZ-Nebenlager Steyr-Münichholz. Mit den Evakuierungsmärschen stieg die Zahl Mitte April 1945 auf fast 3100. Die Häftlinge waren unter anderem beim Bau von Fabriksanlagen und Luftschutzstollen sowie bei Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen im Einsatz. Auch Tausende Zwangsarbeiter/innen wurden zu diesen Arbeiten genötigt. Sie waren ebenfalls in Lagern untergebracht. „Stadt der Lager“ war denn auch eine Bezeichnung für den Stadtteil Steyr-Münichholz.
Lernort
Der Feierakt zur Eröffnung des Stollens fand im nahen Museum Arbeitswelt statt. Oft wurde dabei der Wunsch ausgesprochen, dass der Stollen zum Lernort werde. Waltraud Neuhauser, wie Ramsmaier Mitglied des Mauthausen Komitees und Proponentin für das Zustandekommen des Gedenkortes, erinnerte an ein Wort von Theodor Adorno: „Das Übermaß an realem Leiden duldet kein Vergessen.“ – Steyr wird nicht vergessen!
Der „Stollen der Erinnerung“. Der Stollen unter dem Schloss Lamberg thematisiert die Zeit vor dem Nationalsozialismus, den „Anschluss“ 1938, die NS-Zeit (u.a. mit dem Einsatz der Zwangsarbeiter/innen und KZ-Häftlinge sowie der Verbrennung von 4500 Häftlingsleichen im Krematorium Steyr), den Widerstand und die Menschenwürde. Projektträger ist das Mauthausen Komitee Steyr, gestaltet hat den Stollen Architekt Bernhard Denkinger, wissenschaftliche Kuratorin ist Regina Wonisch. Univ.Prof. Bertrand Perz hat die wissenschaftliche Betreuung übernommen. Anmeldung & Information: Abteilung für Vermittlung & Kommunikation des Museums Arbeitswelt: Tel. 07252/773 51 DW 14,15,16; E-Mail: paed@museum-steyr.at