„Vergesst nicht, ich bin auch ein Ausländer“, sagt Albert Pongo öfter, wenn sich Leute in seiner Pfarre über „die Asylanten“ auslassen. „Aber das ist ja etwas anderes“, heißt es dann. „Du bist ja unser Pater.“
Ausgabe: 2013/45, Schubhäftling, Asylant, Pongo
06.11.2013
- Hans Baumgartner
Seit April 2012 ist der Ghanese Albert Pongo in Österreich. Mit Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hat er, im Unterschied zu den allermeisten seiner afrikanischen Landsleute, kein Problem: Schließlich ist der junge Steyler-Missionar als Seelsorger im 10. Wiener Bezirk (Dreifaltigkeitspfarre) tätig. Nach Österreich gebracht hat Pater Albert, der in St. Augustin bei Bonn Theologie studiert hat, ein ungewöhnlicher Wunsch: er wollte „was mit Migranten tun. Ich glaubte, ich könnte da etwas von meiner eigenen Erfahrung einbringen. Denn auch ich musste mich in einer für mich sehr fremden Kultur zurechtfinden, freilich unter viel besseren Umständen, als das die meisten Afrikaner hier erleben.“
Einfach da sein
Die Ordensleitung schickte Pater Albert nach Österreich, weil hier die Steyler seit 20 Jahren in ihrem Missionshaus in St. Gabriel Flüchtlinge einquartiert haben und weil ein ghanesischer Mitbruder, Pater Patrick Kofi Kodom, seit Jahren Schubhäftlinge in Wien betreute. Pater Albert sagte ja, als man ihn fragte, ob er diese Arbeit fortführen wolle – und geht seither dreimal in der Woche in zwei Wiener Schubhaftanstalten. „Meine wichtigste Aufgabe ist es, den Menschen zuzuhören, sie als Menschen mit ihrem Schicksal und ihren zerronnenen Hoffnungen ernst zu nehmen. Ich versuche sie zu trösten, dass ihr Leben nicht zu Ende ist, auch wenn sie nach Hause zurückkehren müssen. Manchen kann ich auch praktisch helfen: mit Telefonwertkarten oder der Vermittlung von Fachleuten. Und oft hilft nur, dass wir gemeinsam beten, jeder in seinem Glauben.“