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Wenn die Madonna sprechen könnte

Arbeitskampf auf den Philippinen mit alpenländischem Hintergrund
Ausgabe: 2000/05, Philippinen, Gewerkschaft, Proteste, Schnitzer, Statuen
01.02.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz


Zukunft erhofft sich die junge Generation auf den Philippinen auch von westlichen Firmen. So werden Andachtsgegenstände wie Krippen und Madonnen für den europäischen Markt geschnitzt. Doch zur Zeit streiken die Arbeiter/innen. Das Geschäft mit der Frömmigkeit hat Schattenseiten.


– Arbeitskampf auf den Philippinen mit alpenländischem Hintergrund– OÖ Gewerkschafter/innen tretenauch für Kollegen in Übersee ein– Proteste gegen bayerische Firma


Seit Wochen streikt die Belegschaft der Firma KACI in der freien Produktionszone Cavite auf den Philippinen. Die Firma in deutschem Besitz erzeugt Holzschnitzereien, die auch in Österreich verkauft werden.

„Jeden Tag schnitzen wir religiöse Gegenstände, die Menschen in Europa helfen, ihren Glauben zu stärken. Es ist aber ironisch, dass in unserer Fabrik nicht einmal grundlegende Arbeitsstandards eingehalten werden. Wenn die Madonna sprechen könnte, würde sie euch erzählen, wie unsere Rechte als Arbeiter bei KACI verletzt werden.“ Mit diesen Worten formuliert ein Arbeiter von Kalayaan Arts & Crafts Inc. (abgekürzt KACI) die Situation, in der er und die 130 anderen Beschäftigten stehen. Die Firma befindet sich mitten in der freien Produktionszone Cavite. Dass hier Arbeitnehmerrechte nicht viel gelten, ist nichts Neues. Zernan Toledo, der gemeinsam mit dem örtlichen Pfarrer 1995 ein Arbeiter- Unterstützungszentrum gegründet hat, berichtete bei mehreren Österreichbesuchen über die schwierige Lage.

Kripperlschnitzer ohne Lohn


Bei KACI werden in Handarbeit Figuren der Madonna, der Hl. Familie, Kruzifixe, Engel sowie Weihnachtskrippen hergestellt. Seit vielen Monaten, so beklagen Gewerkschafter von KACI, hat die Geschäftsführung an das Soziale Sicherheitssystem keine Zahlungen geleistet. Auch bei den Löhnen gäbe es regelmäßig Verzögerungen. Im August 1999 sei außerdem die 15-Minuten-Nachmittagspause ersatzlos gestrichen worden.

Sicherheitsausrüstung wie Handschuhe und Schutzmasken fehlt im Betrieb, so die Belegschaftsvertreter. Ende letzten Jahres wurden der Gewerkschaftsvorsitzende des Betriebs und sein Stellvertreter entlassen. Nachdem sowohl Gespräche der Belegschaftsvertreter mit der Werksleitung als auch Warnstreiks ohne Ergebnis blieben, rief man am 10. Jänner den Streik aus. Gefordert werden zeitgerechte Zahlung der Löhne, Zahlung der Sozialabgaben sowie Wiedereinstellung der entlassenen Mitarbeiter.

Vergangenen Freitag verschärfte sich kurzzeitig die Situation in Cavite, als ein Manager von Streikposten an der Ausfahrt vom Firmengelände gehindert wurde. Die Arbeiter vermuteten, dass Schnitzwerk vom Gelände geschafft werden sollte. Der Manager rief Polizisten herbei. Diese weigerten sich jedoch, gegen die Streikposten vorzugehen.


Protest soll Arbeiterrechte durchsetzen


"Weltumspannend Arbeiten" initiiert AktionBesitzer der Firma KACI in Cavite ist die Hans Eibl GmbH mit Sitz in Nittenau/Bayern, die ihre Produkte auch in Österreich anbietet.

„Garantiert original handgeschnitzt nach alter Tradition und Überlieferung aus dem Hause Eibl“, so ist es im Eibl-Katalog zu lesen. Die wenigsten Käufer/innen von Weihnachtskrippen oder Kruzifixen vermuten, dass alpenländisch anmutende Schnitzereien auf den Philippinen produziert werden. Im Zeitalter der Globalisierung ist solch Etikettenschwindel jedoch keine Seltenheit. Was aber auch im Zeitalter der Globalisierung nicht hinzunehmen ist, ist die Missachtung fundamentaler Arbeitnehmer/innen-Rechte. Aus diesem Grund engagieren sich sowohl das Hilfswerk der deutschen Bischöfe Misereor aus Aachen als auch die Initiative „Weltumspannend Arbeiten“ vom OÖ Gewerkschaftsbund für ihre Freunde in Cavite.

Druck machen, kein Boykott


Ziel der mit Zernan Toledo aus Cavite abgestimmten Aktion ist es, die Firma Eibl zu veranlassen, auf die Forderungen der Streikenden einzugehen. Handelsbetriebe, die Eibl-Produkte führen, wurden vom Sachverhalt informiert. Viele Organisationen, darunter etliche aus dem katholischen Bereich, haben vergangene Woche mit Briefen an die Eibl/GmbH gegen die Vorgänge auf den Philippinen protestiert. „Ihr Unternehmen“, heißt es im „Weltumspannend Arbeiten“-Schreiben an Firma Eibl, „versorgt gläubige Menschen in Europa mit religiösen Ikonen, die laut Katalog in traditioneller Handarbeit entstehen. Das so erzeugte Bild steht allerdings in starkem Widerspruch zu den Bedingungen, unter denen die Produkte hergestellt werden.“Hans Eibl sieht naturgemäß die Dinge anders. Löhne und Sozialabgaben seien bezahlt worden und die Entlassung von zwei Mitarbeitern habe andere handfeste Gründe. Zu Reaktionen auf die Proteste sah er sich bisher auf Grund der Teilnahme an einer Fachmesse nicht im Stande. Sein Schwiegersohn Joachim Vandera, Eibl-Vertreter für Österreich, setzt noch eins drauf: „Die da unten sollen bloß Ruhe geben und ordentlich arbeiten.“ Die meisten KACI-Arbeitnehmer seien ohnehin gegen den Streik, der von wenigen Quertreibern angezettelt sei, so Vandera. Die Forderungen seien utopisch, schließlich werde nicht einmal in Mitteleuropa bezahlt, was rechtlich zusteht. Auch eine Art, mit Problemen umzugehen…


Informationen über die Solidaritäts-Kampagne mit der KACI-Belegschaft: Weltumspannend arbeiten, Entwicklungspolitisches Bildungsprojekt im ÖGB (Mag. Gerlinde Breiner), Wienerstr. 2, 4020 Linz, Tel. 0732/65 47 84.
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