Franziskanerpater aus Arnreit wirkt seit 27 Jahren in Bolivien.
Ausgabe: 2000/07, Altenfelden, P. Eckerstorfer, Bolivien
15.02.2000
- Robert Radinger
Ein Wegbereiter im wörtlichen Sinn ist P. Robert Eckerstorfer. Die Studenten seiner Urwalduniversität müssen hart zupacken.
„Meine Nationalität ist österreichisch, meine Gesinnung ist franziskanisch, mein Herz aber ist bolivianisch.“ So beschreibt sich der 56-jährige Franziskanerpater Robert Eckerstorfer. Der gebürtige Arnreiter wirkt seit 27 Jahren in Bolivien als Missionar. Zur Zeit ist er auf Heimaturlaub. „Weil ich die Frohbotschaft mehr mit den Händen als mit dem Mund verkünde“, sagt er, kämen die Schwielen auf seinen Händen. Das wiederum hat mit dem Projekt OSCAR (Obras Sociales de Caminos de Acceso Rural) zu tun, „Sozialarbeit für den ländlichen Wegebau“. Seit nunmehr 20 Jahren arbeitet „Padre Roberto“ an diesem Projekt, davon 18 Jahre als Direktor. Angefangen hat alles vor 30 Jahren, ca. 270 Kilometer östlich von der Regierungsstadt La Paz in dem kleinen Dorf Tipuani im bolivianischen Tiefland. Der amerikanische Franziskanerpater Miguel Dooling wollte mit den Einheimischen einen Weg bauen. Er besorgte sich eine alte, von Goldschürfern aufgegebene Schubraupe. Diese hatte die Bevölkerung aber bereits abmontiert und Pater Miguel ging von Haus zu Haus, um die Teile zurückzuholen. Er setzte die Maschine wieder in Stand und baute damit die ersten 40 Kilometer des Weges. Damit begann eines der Aufsehen erregendsten kirchlichen Projekte Boliviens. Junge Studenten arbeiten gemeinsam mit den Einheimischen am Wegebau und dem Aufbau der Infrastruktur. Im Lager erhalten sie zugleich Universitätsunterricht. Die Professoren der Katholischen Universität von La Paz kommen an Wochenenden ins Baulager, wo sie Unterricht geben, gemeinsam mit Pater Mag. Robert Eckerstorfer, der seit 18 Jahren der „Urwalduni“ vorsteht. Zur selben Zeit enstand auch ein Gesundheits- und landwirtschaftlich-ökologisches Programm. So wurden von Padre Roberto gemeinsam mit den einheimischen Indios Lokalgesetze geschaffen, die verpflichten, dass, wenn Edelhölzer geschlagen werden, im selben Ausmaß aufgeforstet werden muss. Die jungen Leute werden dabei nicht verwöhnt. „Auch ich stehe mit ihnen im Dreck, wenn es gilt Fundamente auszuheben, bis tief in die Nacht zu betonieren und auch als Lastwagen- und Raupenfahrer eingesetzt zu werden“, erzählt Eckerstorfer. Dabei wird den Leuten bewusst, dass es ihr Weg, ihre Brücke und ihre Schule ist, die es auch zu erhalten gilt, wenn „ihr Padre“ bereits wieder an einem anderen Projekt arbeitet.
Vortrag von P. Robert Eckerstorfer am Dienstag, den 29. Februar 2000, um 20 Uhr im Pfarrsaal Altenfelden.