Christen und Muslime leben in Pfarren und Schulen oft nebeneinander
Ausgabe: 2000/08, Muslime, Osman, Jarosch
22.02.2000
- Matthäus Fellinger
Religionsunterricht und Pfarrseelsorge könnten zu einem besseren Verstehen zwischen Christen und Muslimen beitragen. Je mehr man voneinander weiß, umso besser lässt sich miteinander leben, meinten die Veranstalter einer Tagung zum Thema in Puchberg.
Leonstein ist nur ein Beispiel. Ein muslimisches Bethaus sollte eingerichtet werden. „Bei den unmittelbaren Nachbarn“, sagt Pfarrer Alois Penzinger, „hat es sicher Verunsicherung gegeben.“ Vor allem deshalb, weil niemand genau wusste, was man sich unter einem Bethaus und einer Koranschule eigentlich vorstellen sollte.
Verunsicherung
Die Gemeinde führt den zu erwartenden Straßenverkehr mitten in ein Wohngebiet ins Treffen. Schließlich zog der „türkisch-islamische Kultur- und Sportverein“ den Antrag auf die Errichtung des Bethauses selbst zurück. Im alten Auerbauergut sollen jetzt Wohnungen entstehen.Das Zusammenleben von Muslimen und Christen ist in vielen Orten spannungsgeladen. Zwei Kulturen, zwei Religionen. Dazu Ängste um Arbeitsplätze, Vorbehalte wegen politischer Vorkommnisse in aller Welt. Schwere Konflikte auf Indonesien oder im Sudan. Das Religionspädagogische Institut der Diözese Linz hatte am 3. Februar Religionslehrer/innen und Seelsorger/innen nach Puchberg eingeladen, um sich mit dem Thema „Islam in Europa“ auseinander zu setzen.Es ist, erzählten Teilnehmer, oft ein Nebeneinanderleben. Man beobachtet einander. Für den Linzer Theologen und Islam-Experten Dr. Karl Jarosch hat die Angst vor dem Islam keinen wirklichen Grund. Der Islam würde von politischen Kräften oft missbraucht. In Zukunft, so Jarosch, würden Spannungen nur zu lösen sein, wenn man nicht abkapselt, sondern auf die Tatsache einer pluralistischen Gesellschaft positiv einstellt. Vor allem gelte es, auch die Jugend darauf vorzubereiten. Sich mit den Fremden zu beschäftigen ist eine erste Voraussetzung dafür.
Nicht abkapseln
Alexander Osman ist islamischer Religionslehrer in Linz, wie auch sein Vater Dipl.-Ing. Said Osman. In der Kapelle des Bildungshauses Puchberg verrichten sie das Gebet, erklären, wie es aufgebaut ist und was die Verbeugungen bedeuten. In Stille sind die katholischen Seminarteilnehmer/ innen bei diesem Gebet an den einen Gott dabei. Die Scheu, beim Beten „zuzuschauen“, verfliegt bald. Osman Said hat die Schule des Lebens in der Fremde durchgemacht. Für sein Studium musste er sich das Brot hart erarbeiten, ehe er es zum Exportkaufmann brachte. „Es ist höchste Zeit, dass sich die gläubigen Menschen zusammentun“, meint Alexander. Nur so könnten Vorbehalte abgebaut und ein gutes Klima für ein gemeinsames Leben geschaffen werden. „Muslime, Christen und Juden, wir sitzen doch im selben Boot“, meint er. Und: Bei wirklich religiösen Menschen wäre auch Fremdenfeindlichkeit viel weniger verbreitet.
Verstärkter Austausch
In Pfarren und in Schulen sollte es zu einem verstärkten Austausch kommen, war man sich in Puchberg einig. „Nur was fremd ist, macht Angst“, ist die Erfahrung der Welser Religionslehrerin Brigitte Grebl. Bis ins Schuljahr 1998/99 unterrichtete sie in einer niederösterreichischen Bezirksstadt. Mit dem muslimischen Religionslehrer arbeitete sie immer wieder zusammen, half ihm, entsprechende Lehrmittel aufzutreiben. Das hat das Verhältnis zu den muslimischen Kindern enorm verändert, sie fassten Vertrauen, gingen etwa zur katholischen Religionslehrerin, wenn sie wissen wollten, ob eine Speise aus der Schulküche auch ihren Fastenvor- schriften entsprach. In den Klassen lernten die Kinder, einander besser zu verstehen. Von Elternseite hat es nie ein böses Wort gegeben. In diese Richtung soll im Religions-Unterricht und in den Pfarren auch in Oberösterreich etwas vorangetrieben werden, nicht, um einander zu vereinnahmen, sondern einander besser zu verstehen. Ein erster Schritt wäre getan.