In vielen Pfarrblättern melden sich Tiere mit kleinen Frechheiten zu Wort
Ausgabe: 2000/09, Domspatz, Pfarrblätter
29.02.2000
- Martin Kranzl-Greinecker
Seit 15 Jahren meldet sich der Domspatz jede Woche in der Kirchenzeitung zu Wort. Er ist wohl der bekannteste Spatz der Welt.
Manchmal, wenn er besonders frech war, erregte der Domspatz die Gemüter: „Pickt ihm den Schnabel zu!“ forderten die einen, „Ab in die Bratpfanne“ die anderen. Doch die Zahl der Domspatz-Freunde überwiegt bei weitem. Immer wieder erreichen an den „Domspatz“ adressierte Leserbriefe die Redaktion, regelmäßig sogar aus Übersee. Die aus OÖ stammende und jetzt in Taiwan lebende Leserin Marianne Defois etwa richtet ihre Schreiben immer „An den lieben Domspatz“.
Auch in Nicaragua ist das Redaktionsoriginal bekannt. Töpferinnen haben dort gegen faire Entlohnung tausende Ton-Domspatzen angefertigt, die die Kirchenzeitung als dekorative Werbegaben verschenkte. Nicht nur in Ton, auch in (falschem) „Silber“ wurde der Domspatz weitergegeben: 1994 erhielten verdiente Mitarbeiter/innen den Vogel in Medaillenform samt Urkunde als Anerkennung. Ausserdem ziert der Domspatz Luftballons, Pickerl und anderes Werbematerial.
Der große Tiergarten Gottes
In einer Reihe von Pfarrblättern kommen in jeder Ausgabe tierische Redaktionsoriginale zu Wort. In mehreren Fällen (z. B. in Steyr-St. Anna, Timelkam, Vöcklabruck, Vöcklamarkt) handelt es sich um Kirchenmäuse, vielleicht soll damit die Spendenfreudigkeit angekurbelt werden, zumal die Redewendung ja „arm wie eine Kirchenmaus“ heißt.Gefährlich wird es für Kirchenmäuse, wenn – im Pfarrblatt von Neukirchen an der Enknach – „Jimmy, der Pfarrerkater“ auftaucht. Und Jimmy nimmt wahrscheinlich vor Bruno, dem Kater aus dem Pfarrblatt Traun, Reissaus. Dramatisch wird die Sache in Bad Leonfelden, wenn der Sternstein-Fuchs herumschleicht.„Paxi“, der Kinderseiten-Fuchs aus der „Vogelweide-Perspektive“ (Pfarrblatt Wels-Hl. Familie) hingegen schaut recht vertrauenserweckend aus. Liebevoll präsentiert sich auch der Gallneukirchner „Gallus-Bär“ (samt Bärli) und vor dem Schwertberger „Kirchenschneck“ braucht niemand zu fliehen.
Andere Redaktionsoriginale
Im Andrichsfurt kommentiert der „Anderl“ (rechts) das Pfarrgeschehen, im Pfarrblatt von Linz-St. Leopold ist es der „Poidl“ (links), der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Anderswo werden Kirchtürme zum Leben erweckt, z. B. der „Ischler Nik“ oder der „Ennser Turm“, der sogar um Spen- den bittet.