Seit 1993 besteht eine kirchliche „Arbeitsgruppe Homosexualität“. Das Ziel: Eine Brücke zwischen Homosexuellen und Kirche soll errichtet werden. Der Pastoralrat bekräftigt diese Bemühungen.
„Wir sollten dankbar sein, dass die Lesben und Schwulen den Kontakt mit der Kirche suchen“, betonte der Innsbrucker Moraltheologe Dr. Hans Rotter SJ letzten Samstag vor dem Pastoralrat der Diözese Linz.
Wie in Innsbruck und Wien
Homosexuelle Menschen als Anliegen der Seelsorge stärker als bisher zu sehen, war eines der Hauptanliegen der Beratung bei der Frühjahrs-Vollversammlung des Pastoralrates. Diözesanbischof Maximilian Aichern sieht sich in diesem Anliegen in einer Reihe mit den Bemühungen in der Erzdiözese Wien und in Innsbruck. Dort gebe es bereits eine strukturierte Homosexuellen-Seelsorge.Für Dr. Walter Wimmer, Sprecher des Priesterrates, geht es vor allem um den Abbau von Vorurteilen. Im Blick auf die eigene Geschichte gehe es auch darum, Schuld einzubekennen. Homosexuelle Menschen hätten mit vielen Risiken zu leben, betont Gertraud Kopf, die Leiterin einer diözesanen Arbeitsgruppe Homosexualität. Sie wären im beruflichen Fortkommen behindert und oft sozial isoliert. Vor allem der psychische Zwang, möglichst lange die Tatsache der Homosexualität zu verschweigen, brächte schwere Belastungen und inneren Zwiespalt.Dr. Hans Rotter betonte die von der Wissenschaft einhellig vertretene Position, Homosexualität würde in den ersten Lebensjahren festgelegt. Die sexuelle Orientierung wäre dann nicht mehr umkehrbar und könne daher auch nicht „geheilt“ werden.In der Bibel könne keine einzige Stelle als eine eindeutige Verurteilung der Homosexualität gewertet werden. Entscheidendes biblisches Kriterium wäre auch hier das Gebot der Liebe. Homosexuelle Veranlagung könnte nicht als Sünde gewertet werden, im Plan der Schöpfung könnten Homosexuelle sehr viel Gutes einbringen. Würde die Kirche sich nicht für Homosexuelle einsetzen, lade sie Schuld auf sich, meinte Rotter.
Begegnungstag über Homosexualität Am Freitag, 24. März, ab 15 Uhr findet an der Universität für Künstlerische Gestaltung in Linz (Hauptplatz) ein Begegnungstag zum Thema „Homosexuelle Menschen und Kirche“ statt. Dazu laden das Katholische Familienwerk, die Katholische Frauen- und Männerbewegung und die Kirchenzeitung sowie die Abteilung Ehe und Familie im Pastoralamt ein. Eingeladen sind homosexuelle Menschen ebenso wie Menschen aus kirchlichen Einrichtungen sowie am Thema Interessierte. Es geht um die Entwicklung eines besseren gegenseitigen Verständnisses.