Es sei zu einer fragwürdigen Selbstverständlichkeit geworden, von der Krise der Kirche zu reden – was letztlich mehr schade als nütze. Das betonte der deutsche Pastoralsoziologe DDr. Michael Hochschild bei zwei theologischen Bildungsveranstaltungen letzte Woche in Linz und in Puchberg.In der derzeitigen Entwicklung von einer Konsensgesellschaft hin zu einer Konfliktgesellschaft könne die Kirche verstärkt als „Vermittlungsinstitution“ tätig werden, meint Hochschild. Kirche hätte so auch in Zukunft eine wichtige öffentliche Bedeutung.Die Zeit des „Milieukatholizismus“ ist für Hochschild vorbei. Die Pastoral müsse heute stärker mit dem Einzelmenschen rechnen. Einzelmenschen schließen sich je nach Interessen zusammen. So entsteht ein „Netzwerk Kirche“, das Hochschild für zukunftsfähig hält.Aus bloß hörenden Menschen sollen gebende Menschen werden. In ihren Lebensräumen müssen Christen die Chance vorfinden, sich mit ihren Interessen mit anderen Christen zu vernetzen. Menschen suchten sich dabei ihre „Wahlverwandten“ selbst aus, statt in „Qualverwandtschaften“ auf andere verpflichtet zu sein. Deshalb sei gerade in mittelgroßen Pfarren der Kirchenbesuch am geringsten. Hier kennen die Leute einander nicht mehr wie in einer Kleinpfarre, hier finden sie aber auch noch zu wenige Gleichgesinnte vor, mit denen sie sich vernetzen könnten.