Eine Frau und ihr Verein setzen auf Nähe, die vieles in Gang bringt
Ausgabe: 2000/12, Gefühl, Zehetner, Alzheimer
22.03.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Alzheimer! – Diese Diagnose trifft viele. Oft bedeutet sie für Pflegende wie für Patienten jahrelange Einsamkeit. Das muss nicht sein: Ein Verein setzt vieles in Bewegung.
„Sie haben überhaupt keine Ahnung, was ich von hier mit nach Hause nehme“, war eine Frau voll des Lobes für die Erholungswochen in Bad Ischl. Sie machte mit ihrem an Alzheimer erkrankten Mann dabei mit. Über Jahre schon kannte sie es nicht mehr, Urlaub machen zu können, einmal nicht fast rund um die Uhr alleine für die Betreuung zuständig zu sein. 17 Helfer/innen und Therapeutinnen bzw. Therapeuten, die einander Tag und Nacht im Dienst abwechselten, sorgten für diese Entlastung. Unter Menschen zu sein, die in einer ähnlichen Situation sind, wirkte zudem stützend. Der Verein MAS (Morbus Alzheimer Syndrom) hat zu diesen Erholungswochen vom 5. bis 19. März eingeladen. Die Leiterin von MAS, Felicitas Zehetner, und ihre Mitarbeiterin Edith Span haben alles unternommen, um für je acht pflegende Angehörige und Patienten Erholung, Förderung und Begleitung auf hohem Niveau anzubieten. In einem Vier-Sterne-Hotel untergebracht, konnte man Tag für Tag aus verschiedensten Angeboten auswählen. Dazu gehörten Physio-, Musik- und Maltherapie, Vorträge, Gedächtnistraining, Massagen, autogenes Training, wandern und baden ... Indem das Gefühl angesprochen wird – „ganz wichtig bei Alzheimer-Patienten!“, sagt Felicitas Zehetner – werden Kräfte wieder geweckt. Unbewegliche Patienten wagen wieder Schritte, „stumme“ Kranke trauen sich wieder sprechen ...„Dass es so massive Erschöpfung gibt, wussten wir nicht“, resümierte Felicitas Zehetner. Anna Gruber aus Großgerungs, die mit ihrem kranken Mann dieses Urlaubsangebot wahrnahm, nennt die „Erfinderin“ des Urlaubsangebotes einen Engel, wie alle Betreu/erinnen hier.