Die eine Firma (Kleiderbauer) lockte Kunden an, indem sie den jeweils ersten fünf Nackten, die nach dem Aufsperren ihre Geschäfte stürmten, Bekleidung im Wert von S 5.000,– schenkte. Die andere (Benetton) wirbt mit Schockern und das wiederholt. Seit Wochen hängen z. B. die -Plakate, die in den USA auf ihre Hinrichtung wartende Häftlinge zeigt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Diese ist gesichert. Wie weit darf Werbung gehen? Wo verläßt sie den Rahmen des Erträglichen? Einfacher ist dies im Fall von Kleiderbauer zu beantworten: „Pure Geldgier“ wirft der Pfarrer von Ried/Riedmark, Engelbert Leitner, der Firma Kleiderbauer vor. Man überschreite hier primitiv die Grenzen der Moral. Schwieriger ist es im Fall von Benetton. Denn die Firma argumentiert damit, den Blick sensibel für die Situation zum Tod Verurteilter zu machen. Im Internet erfährt man bei Benetton eine ganze Menge (Interviews mit den Todeskandidaten) über jene Menschen, die ihren Kopf hinhalten für das Geschäftsinteresse einer Firma. Man erfährt zum Beispiel unter dem Titel „Wir sind an der Reihe zu sterben“, dass Jerome Mallett (so heisst der auf dem abgebildeten Plakat zu sehende Mann) Mörder ist, der seit 1986 auf die Giftspritze wartet. Man liest auch, dass er immerzu an den Tod denkt. Das ist der Unterschied: Amnesty international kämpft engagiert gegen die Todesstrafe ohne Absichten für sich, Benetton benutzt die Todesstrafe, um eigene Absichten umzusetzen.